An dem Tag, an dem ich zum ersten Mal auf „Veröffentlichen“ drückte, war ich so aufgeregt, dass ich den Finger fast wieder zurückzog. Jetzt sehen das alle, dachte ich. Alle Nachbarn, alle Freundinnen, alle, mit denen ich je zu tun hatte. Also: alle.
Dann kam die Überraschung. Es sah niemand.
Heute, 100 Blogartikel später, muss ich darüber schmunzeln. Gleichzeitig erinnere ich mich noch gut daran, wie sich das angefühlt hat. Zwanzig Jahre lang hatte die Universität mein Marketing gemacht. Sie bezeugte meine Expertise, sie öffnete Türen, sie füllte durch das Vorlesungsverzeichnis und die Studienordnung meine Seminarräume. Und plötzlich saß ich vor einer eigenen Website und war für all das selbst zuständig.
Ich dachte, ich müsste Marketing lernen. Gelernt habe ich, meine eigene Stimme zu finden. Ich wollte eine Website bauen und am Ende stand etwas viel Größeres. Aber das ahnte ich damals noch nicht.
Die Inhalte dieses Blogartikels:
ToggleWie alles begann
Angefangen hat es ganz unspektakulär: mit einer Kursanweisung. Im Selbstlernkurs „Website-Heldinnen“ lernte ich Schritt für Schritt, wie man eine eigene Website baut und erfuhr, dass eine statische Seite ohne frische Inhalte kaum gefunden wird. Ich brauchte also einen Blog, so hieß es dort. Und so hörte ich mitten im Website-Bauen auf und fing an zu schreiben.
Der erste Artikel, den ich veröffentlichte, war Was ist das Geheimnis für ein gelungenes Leben? Begonnen hatte ich aber einen anderen: Was ist Kontemplative Psychologie? Und mit dem habe ich echt gekämpft, gleich doppelt. Es war einer meiner allerersten Texte, und das Thema lag mir so am Herzen, dass ich es unbedingt richtig und in seiner ganzen Tiefe rüberbringen wollte. Ein Vierteljahrhundert wissenschaftliches Arbeiten steckten mir dabei in den Knochen: forschen, lehren, belegen. Ich schrieb keinen Blogartikel. Ich schrieb eine kleine Doktorarbeit.
Und weil ich eine Scannerin bin, ein Mensch, der sich für vieles gleichzeitig begeistert, blieb es nicht beim Schreiben. Während ich noch überlegte, was mein nächstes Thema werden könnte, tauchte ich tief in eine ganz andere Frage ein: Was ist Bloggen eigentlich, und wie geht man das an? Genau in dieser Suche stieß ich auf Judith Peters und ihre Challenge „Blog Your Purpose“. Daraus entstand Die Suche nach unserer Bestimmung – bis heute einer meiner meistgelesenen Artikel.
Hätte ich damals geahnt, wie viele Stunden ich in den Jahren danach schreibend verbringen würde – ich bin nicht sicher, ob ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hätte. Gut, dass ich es nicht wusste.
Wie aus Pflicht Freude wurde
Diese erste Challenge machte mir mehr Freude als alles, was ich bis dahin geschrieben hatte. Obwohl es bei „Blog Your Purpose“ um meinen eigenen Purpose gehen sollte, hielt ich „Die Suche nach unserer Bestimmung“ eher allgemein. So persönlich wollte ich mich damals noch nicht zeigen. Und trotzdem war da zum ersten Mal dieses Ziehen, dieses zutiefst befriedigende Gefühl von „davon will ich mehr“. Mehr von dieser Selbstwirksamkeit.
Im Dezember schrieb ich bei Judiths Jahresrück-Blog-Challenge meinen ersten Jahresrückblick, und kurz darauf trat ich ihrer Community bei, „The Content Society“, in der ich bis heute Mitglied bin. Jede Woche ein Impuls, mit dem Ziel, einen Artikel pro Woche zu schreiben. Und ein Satz, der mir zuerst fremd war und dann zur Befreiung wurde: „Blog like nobody’s reading.“
Den eigentlichen Wendepunkt aber erlebte ich Ende letzten Jahres, beim Artikel „Radical Belonging“. Wie schon in den letzten beiden Jahren schlug Judith Peters als Wochenthema vor, die eigene Methode zu beschreiben und ihr einen Namen zu geben. Zuerst zögerte ich und dachte, wie schon in den Jahren zuvor: Ich habe doch gar keine eigene Methode. Und dann, während eines Spaziergangs, merkte ich: Doch, die habe ich – eine eigene Haltung, eine eigene Praxis, ich hatte sie nur nie so benannt. Von da an schrieb ich nicht mehr bloß über ein Thema, sondern aus meiner eigenen Stimme heraus. Genau das meint der Titel: Ich habe meine eigene Schreibstimme nicht bewusst gesucht; ich bin beim Schreiben in sie hineingewachsen.
Was in diesen Jahren gewachsen ist
Rückblickend fällt mir auf, dass sich langsam etwas umgekehrt hat. Erinnerst du dich an den Anfang, an das „Es sah niemand“? Genau das begann sich zu drehen. Erst kamen die To-Want-Listen, inspiriert von der Idee aus „Das 12-Wochen-Jahr“, in Zwölf-Wochen-Etappen zu denken statt in ganzen Jahren. Sie gaben mir einen Rhythmus – und mit ihnen zeigte ich zum ersten Mal auch ein Stück meines echten Alltags.
Am deutlichsten aber sehe ich die Entwicklung an den Blogparaden. Nichtwissend, was eine Blogparade eigentlich ist, nahm ich zunächst nur an einer fremden teil mit dem Artikel Kinder brauchen Vorbilder! Ein Jahr später traute ich mich, selbst einzuladen – und plötzlich schrieben 17 Bloggerinnen zu „Lebensfroh bis ins hohe Alter„, einem Thema, das mich schon lange umtrieb. Aus der Frau, die einst aufgeregt auf „Veröffentlichen“ drückte und dachte, niemand schaue hin, war jemand geworden, um die sich Menschen versammelten. 2025 waren es beim Gedankenkarussell schon 23, und dieses Jahr läuft die dritte, zur Zuversicht; du kannst noch bis zum 2. August mitmachen.
Und es blieb nicht beim Bloggen. Weil ich meinen Leserinnen etwas in die Hand geben wollte, entstanden Freebies: eine Audio-Anleitung mit Workbook zum Selbstmitgefühl, ein Journal gegen das Gedankenkarussell, ein Biografie-Heft mit zwanzig Fragen. Aus einer anderen Idee entstand mein Adventskalender „Sei dir gut an!“, den ich seit 2023 jeden Dezember verschicke. Und zweimal war ich zu Gast bei Kolleginnen, bei Sabine Landua und in einem Interview mit Evelyn Wurster über das Loslassen in Veränderungsprozessen. Aus Ideen wurden Angebote. Aus einem Pflichtprogramm wurde eine Gemeinschaft.
Wie ich heute schreibe
Am liebsten schreibe ich morgens. Ich stehe um fünf auf, meditiere, und setze mich dann mit einer Kanne Tee an den Esstisch, während alle anderen noch schlafen. In der dunklen Jahreszeit zünde ich fast immer eine Kerze an. Besonders am Wochenende, wenn der Rest der Familie ausschlafen will, ist das meine produktivste und kreativste Zeit. Manchmal schreibe ich auch im Café. Mein schönster Schreibort aber war das Deck der Aida: Blick aufs Meer, die Sonne ging gerade auf, und alle anderen schliefen noch. Himmlisch. Und leider nicht wiederholbar.
Am Anfang habe ich strategisch überlegt: Welche Themen sind wichtig – für meine Leserinnen und für mein Thema? Heute entstehen viele Artikel aus einem Impuls. Aus einer Beobachtung im Alltag oder aus einem Satz, den ich aufschnappe: „Meditation ist langweilig“ zum Beispiel wurde zu einem ganzen Artikel. Manchmal aus einem Coachingprozess, manchmal aus einem Gedenktag im Kalender. So entstand der Blogbeitrag Gewaltfolgen im Nervensystem zum „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ und der Brief an meine Töchter zum diesjährigen Weltfrauentag.
Wenn ich schreibe, schreibe ich erst einmal alles ungefiltert herunter, was mir einfällt. Dann gliedere ich diese Rohfassung, manchmal mithilfe von KI. Dann beginne ich mit der Überarbeitung. Dabei beginne ich – so wie ich es früher auch meinen Studierenden empfohlen habe – mit dem Kapitel, das mir am leichtesten fällt. Die Einleitung kommt erst ganz zum Schluss. Und damit ein Artikel auch gefunden wird, nutze ich ein kostenloses SEO- Tool und lasse mir inzwischen mit KI eine treffende Fokus-Keyphrase und eine Metabeschreibung erstellen.
Und auch meine Überschriften schärfe ich mitunter mit künstlicher Intelligenz. Denn wie du vielleicht schon gemerkt hast: Meine Stärke sind lange Texte und komplexe Zusammenhänge. Knackige Überschriften gehören nicht dazu. Passenderweise habe ich, die Deutsch auf Lehramt studiert hat, schon in der Schule kaum etwas so gehasst wie das: Überschriften für Textabschnitte finden.
Woran man meine Ausbildung in meinen Texten erkennt? Ich glaube, an genau dieser Länge. Auf komplexe Themen gibt es keine kurzen, schnellen oder einfachen Antworten. Als Sonderpädagogin und Diplompädagogin mit Schwerpunkt frühe Kindheit habe ich von der Pike auf gelernt, genau hinzuschauen und noch die kleinsten, unscheinbaren und doch bedeutungsvollen Entwicklungsschritte zu erkennen und für andere sichtbar zu machen. Damals für die Eltern eines Therapiekindes oder für Kolleginnen an Schulen. Heute für dich.
Was mir schwerfiel – und was mir am meisten bedeutet
Die Artikel, die mich beim Schreiben fast zur Verzweiflung gebracht haben, sind ausgerechnet die, die mir am meisten am Herzen liegen. Das Fallbeispiel Gewaltfolgen im Nervensystem gehört dazu und auch Radical Belonging, in dem ich dieHaltung und Praxis meiner Arbeit sehr ausführlich beschreibe. Weil es hier darum geht, innere Prozesse sichtbar und verstehbar zu machen, ohne dass es kitschig wird oder „coachig“ im Sinne von „du musst einfach nur“.
Nicht jedes Format hat für mich funktioniert. „12 von 12″ – einen ganzen Tag in zwölf Bildern dokumentieren – finde ich zwar charmant, aber ich bin nie damit warm geworden. Trotz der kurzen Texte hat es mir Stress gemacht und fiel mir unerwartet schwer. Nach fünf Anläufen habe ich mich davon verabschiedet, zuletzt am 12. August, an dem wir auch noch den 12. Geburtstag meiner Tochter feierten.
Kurz vorm Aufhören war ich nie. Aber es gab Phasen, in denen mir das Schreiben lustlos von der Hand ging. Manchmal habe ich mich trotzdem gezwungen. Nur selten ist daraus etwas Gutes entstanden. Die meisten dieser Texte ruhen bis heute im Entwurfsordner.
Am längsten gerungen habe ich mit dem Newsletter. Schnell war mir klar, dass ich einen brauche; er war ja auch die Grundlage für meinen digitalen Adventskalender „Sei dir gut!“, den ich bereits im Dezember 2023 das erste Mal angeboten habe. Während der Adventszeit fiel es mir leicht, täglich einen kleinen Brief zu verschicken, doch danach meldete sich das alte Impostergefühl, und ich schrieb nur noch, wenn ich „wirklich etwas zu sagen“ hatte.
Das erhöhte den Druck bloß. Denn wann habe ich wirklich etwas zu sagen? Und finden die anderen das auch? So kam es, dass ich manchmal monatelang keinen Newsletter verschickte. Seit Ende April schreibe ich nun wöchentlich, immer mittwochs – damit du mitten in der Woche, mitten in deinem Alltag, einen freundlichen Moment für dich bekommst.
Was zurückkommt
Am meisten bedeuten mir bis heute die Rückmeldungen. Menschen schreiben mir, dass sich ein Text angefühlt hat, als hätte ich ihnen aus der Seele gesprochen. Dass sie sich nach dem Lesen ein Stück besser verstanden haben. Solche Sätze tragen mich über manche Durststrecke hinweg.





Was mich hundert Artikel gelehrt haben
Über den Anfang
- Niemand wartet auf deinen ersten Blogartikel. Das ist eine gute Nachricht.
- „Jetzt sehen das alle.“ Es sah: niemand.
- Zwanzig Jahre hat die Uni mein Marketing gemacht. Dann war ich dran.
- Veröffentlichen ist schwerer als Schreiben.
- Ich wollte alles richtig machen. Das war der Fehler.
Über Haltung
- Es fehlte nie das Wissen. Es fehlte der Mut.
- Verletzlichkeit ist keine Selbstdarstellung.
- Haltung ist nicht Rechthaben.
- Zeig deine Fragen, nicht dein Wohnzimmer.
- Wer liest, spürt, ob du etwas zu sagen hast oder ob du Klicks willst.
Über das Schreiben selbst
- Der beste Artikel ist selten der erfolgreichste.
- SEO und Seele schließen sich nicht aus.
- Gute Fragen berühren mehr als gute Antworten.
- Manche Artikel brauchen drei Tage. Andere drei Jahre.
- Hör auf, gute Texte schreiben zu wollen. Schreib ehrliche. Der Rest kommt fast von selbst.
- „Blog like nobody’s reading.“ Fremd. Und befreiend.
Über Wirkung
- Marketing ist nicht Sichtbarkeit. Es ist Wiedererkennbarkeit.
- Schreiben verändert nicht nur die Leser*innen. Es verändert auch die Autorin.
- Ich schreibe nicht nur, um zu Wissen zu vermitteln. Ich schreibe, um zu verstehen.
- Manchmal versteht sich ein anderer Mensch besser, weil er dich gelesen hat.
Ich habe Claude meinen Schreibstil analysieren lassen
Aus Neugier habe ich zum Jubiläum eine KI – Claude – gebeten, meinen Schreibstil über alle bisherigen Artikel zu lesen und ihn mit bekannten Autorinnen und Autoren zu vergleichen. Nicht aus Strategie, sondern weil mich die Frage umtrieb: Wie nimmt eigentlich jemand von außen mein Schreiben wahr? Das Ergebnis ist eine Deutung, kein in Stein gemeißeltes Urteil. Aber es hat mich trotzdem gefreut und Nachdenken gebracht.
In welchen Modi ich schreibe
Offenbar schreibe ich nicht in einem einzigen Register, sondern in mehreren, die sich oft im selben Text mischen. Claude ordnet jedem einen verwandten Klang aus der Literatur zu. Bis auf Glennon Doyle habe ich all diese Autor*innen selbst gelesen. Umso mehr freue ich mich, dass Claude hier eine Verwandtschaft im Ton entdeckt hat. Sie haben also offenbar mein Schreiben geprägt.
Dies sind die fünf Modi, jeweils beispielhaft belegt mit einem Zitat aus einem Blogartikel:
Kontemplativ-therapeutisch (wie Tara Brach, US-Achtsamkeitslehrerin und Psychologin): „Ich bin nicht meine Angst. Ich bin nicht meine Krise. Ich bin der Raum, in dem all das geschieht.“ – aus „Was ist emotionale Resilienz?“
Persönlich-szenischer Essay (wie Doris Dörrie, deutsche Schriftstellerin und Regisseurin): „Mit einem Kloß im Hals saß ich im Flugzeug auf dem Weg nach Hause. Ich war gerade 17 Jahre jung.“ – aus „Darf ich bei so viel Leid und Aufruhr in der Welt glücklich sein?“
Verletzlich und positionierend (wie Brené Brown, US-Forscherin über Verletzlichkeit und Scham): „Unsere Werte sind wie der unsichtbare Herzschlag, der unser Leben im Takt hält.“ – aus „Meine 5 wichtigsten Werte“
Appellativ und feministisch (wie Glennon Doyle, US-Autorin und Aktivistin): „Geliebte Tochter, wenn ich an deine Zukunft denke, wird es mir manchmal ganz schön eng ums Herz.“ – aus „Ein Brief an meine Töchter“
Erklärend und zugänglich (wie Rick Hanson, US-Neuropsychologe): „Resilienz ist eher wie ein Bambus, der sich im Sturm biegt, ohne zu brechen.“ – aus „Was ist emotionale Resilienz?““

Dass es gleich fünf sind, hat mich zuerst überrascht. Aber es stimmt: Je nach Thema und Tagesform schreibe ich mal aus dem Kopf, mal aus dem Herzen, mal aus der Haltung.
Wie sich mein Stil entwickelt hat
Die Zahlen sind eindeutig. Meine Artikel wurden länger – im Schnitt von rund 2.600 auf über 3.300 Wörter. Meine Sätze wurden etwas kürzer und rhythmischer. Und ich spreche dich heute viel direkter an: Die Du-Ansprache hat sich fast vervierfacht, die Zahl der Ich-Aussagen hat sich fast verdoppelt. Aus erklärender Distanz wurde spürbare Nähe. Das deckt sich mit dem, was ich innerlich erlebe: Ich habe nach und nach aufgehört, mich hinter Fachlichkeit zu verstecken.

Als mein stärkstes Merkmal nennt Claude den szenischen Einstieg: Ich beginne fast nie mit trockener Theorie. Ein Ort, ein Moment, eine Stimme öffnet den Text – meine Erfahrung auf einem Kreuzfahrtschiff oder ein Erlebnis in einer Buchhandlung, ein Flugzeug nach Sambia – und führt von dort ins Grundsätzliche. So fängt zum Beispiel einer meiner Texte an: „Es ist Sommer. Wir verbringen dieses Jahr eine Woche unseres Sommerurlaub auf einem Kreuzfahrtschiff.“ – um dann bei der Frage zu landen, was Zufriedenheit wirklich ausmacht. Oder, wie Claude es zusammenfasste: Ich erde Kontemplation in gelebter Szene.
Eine Wortwolke aus meinen Texten

Was mir das zeigt
Am meisten berührt hat mich nicht der Vergleich mit bekannten Autor*innen und Denker*innen, auch wenn mir das sehr schmeichelt. Mich berührt die Bewegung, die dabei sichtbar wurde: Mein Schreiben ist über die Jahre menschlicher und zugleich klarer geworden. Von außen sieht man das oft deutlicher als von innen. Vielleicht ist das der schönste Nebeneffekt von hundert Artikeln: dass man am eigenen Text ablesen kann, wie man selbst gewachsen ist.
Hundert Artikel in Zahlen
Ein paar Zahlen, die mich selbst überrascht haben: In diesen hundert Artikeln (diesen hier eingerechnet) sind ungefähr 298.000 Wörter zusammengekommen. Das sind im Schnitt rund 3.000 pro Artikel. Der kürzeste Artikel kommt mit rund 490 Wörtern aus – ausgerechnet eine Folge von 12 von 12, jenem Format, das nie so recht mein Freund wurde. Der längste bringt es auf über 12.000 Wörter: mein Jahresrückblick 2025: 50 ist (k)ein Tempolimit.
Und unter den Artikeln haben sich inzwischen 485 Kommentare angesammelt: rund 250 Rückmeldungen von euch – von über 150 verschiedenen Menschen – und meine Antworten darauf, denn ich habe fast jeden Kommentar beantwortet. Für einen Blog, dessen Claim „Wo Beziehungen gelingen, da gelingt das Leben“ lautet, ist das vielleicht die schönste Zahl.
Am häufigsten gelesen wurden über die letzten drei Jahre:
Dass zwei davon so persönlich sind, überrascht und freut mich besonders.
Die Artikel, die mir am meisten bedeuten, stehen übrigens nicht in dieser Liste – ich habe sie weiter oben schon genannt. Der beste Artikel ist eben selten der erfolgreichste.
Falls du gerade zum ersten Mal hier bist: Fast hundert Artikel können ganz schön erschlagend wirken, wenn man nicht weiß, wo man anfangen soll. Deshalb hier ein kleiner Wegweiser für dich, je nachdem, was dich gerade bewegt:
- Du bist neu hier? Beginne mit „Was ist Kontemplative Psychologie?„
- Dein Kopf kommt nicht zur Ruhe? „Warum du nie richtig abschalten kannst„
- Du steckst in einer schweren Zeit? „Was ist emotionale Resilienz?„
- Du bist streng mit dir selbst? „Von Selbstoptimierung zu Selbstakzeptanz„
- Du möchtest mit Meditation beginnen? „Meditation ist nichts für mich – der Mythos„
- Du suchst nach Sinn und dem roten Faden? „Was ist Biografiearbeit?„
- Du willst wissen, wer hinter dem Blog steckt? „Meine 5 wichtigsten Werte„
Ein Grund zu feiern
Wir neigen dazu, uns lange mit unseren Misserfolgen aufzuhalten. Der Fehler, das Scheitern, der Satz, der nicht saß – daran kauen wir oft wochenlang. Über unsere Erfolge dagegen gehen wir sehr häufig schnell hinweg, fast beiläufig, als wäre Gelingen selbstverständlich. Kaum ist etwas geschafft, wandert der Blick schon zum Nächsten, das noch fehlt.
Das hat einen Namen und ist gut erforscht: Unser Gehirn hält an Bedrohlichem fest und lässt Gelungenes abperlen wie Wasser an einer beschichteten Pfanne. In meiner Arbeit begegnet mir das ständig, bei anderen ebenso wie bei mir selbst. Wir sind erstaunlich ungeübt darin, das Gute wahrzunehmen und es sich wirklich setzen zu lassen. Dabei ist genau das eine Fähigkeit, die man trainieren kann – so wie einen Muskel.
Heute halte ich bewusst inne. Hundert Artikel – das darf gefeiert werden. Es geht mir dabei ums Würdigen; dass hier über die Jahre etwas gewachsen ist, das Mühe gekostet hat und mir viel bedeutet. Und vielleicht ist das eine Einladung auch an dich. Wo gehst du gerade zu schnell über etwas hinweg, das eigentlich ein Innehalten verdient hätte?
Warum ich immer noch schreibe
Während ich diesen Artikel geschrieben habe, ist mir etwas aufgegangen. Eigentlich habe ich gar nicht hundert Blogartikel geschrieben. Ich habe fast hundertmal dieselbe große Frage gestellt, jedes Mal mit anderen Worten und aus einer anderen Perspektive. Die Frage, mit der damals alles anfing: Wie gelingt ein gutes Leben? Vielleicht ist genau das der rote Faden dieses Blogs.
Und manchmal, das ist das schönste Geschenk, versteht sich ein anderer Mensch ein wenig besser, weil er einen meiner Texte gelesen hat.
Wenn ich eines in den letzten hundert Artikeln gelernt habe, dann vielleicht das: Gute Texte entstehen nicht, weil wir Antworten haben. Sie entstehen, weil wir bereit sind, lange genug bei einer Frage zu bleiben.
Hundert Artikel später weiß ich vor allem eines: Mein Blog ist immer mehr zu einem Denkraum geworden. Doch die besten Ideen hatte ich selten allein.
Viele sind aus Gesprächen entstanden. Aus Fragen meiner Leserinnen, aus Coachings, aus Begegnungen im Alltag oder aus einem Satz, den jemand ganz nebenbei gesagt hat.
Deshalb bin ich neugierig: Welches Thema taucht bei dir immer wieder auf – das du googelst, über das du nachdenkst, über das du aber nie wirklich redest? Was fehlt dir – auf meinem Blog oder überhaupt im Netz? Etwas, bei dem du dir wünschst: Schreib doch mal darüber!
Dann erzähl es mir in den Kommentaren. Genau dort beginnt oft der nächste Artikel.
Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade „Warum und wann ich mit dem Bloggen angefangen habe“ von Birgit Lorz. Noch bis zum 2. August 2026 kannst du dort mitmachen und viele weitere Blog-Geschichten entdecken.
Pia Hübinger ist Pädagogin, Coach und Trainerin für Achtsamkeit, Mitgefühl und achtsamkeitsbasierte Kommunikation. In ihrer Arbeit verbindet sie westliche und buddhistische Psychologie, Körperweisheit und Nervensystemarbeit zu einem heilsamen Prozess des Wieder-Ganz-Werdens. Sie ist davon überzeugt, dass Heilung und Veränderung dort beginnen, wo wir aufhören, uns selbst zu bekämpfen und lernen, uns mit liebevoller Präsenz zu begegnen.
Ihr Ansatz Radical Belonging verbindet psychologische Klarheit mit der Bereitschaft, auch schwierigen Erfahrungen nicht auszuweichen. Sie erteilt keine Diagnosen und keine Ratschläge, sondern schafft einen Rahmen, in dem Menschen ihrem eigenen Erleben begegnen können. Unzensiert, unverstellt, ungefällig. Denn nur wenn Veränderung an die eigene Erfahrung angebunden ist, hat sie Bestand.
Mehr über die Autorin erfährst du hier.



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