Spuren deines Lebens. 

20 biografische Fragen, die dir einen freundlicheren Blick auf dein Leben eröffnen

Adventskalender: Sei dir gut! Mit Freude und innerer Balance durch den Advent

74 Fakten über Achtsamkeit und kontemplative Psychologie, die du wahrscheinlich noch nicht kennst

Nebliger, weiter Strand bei Ebbe in der Bretagne am frühen Morgen, Titelbild zum Artikel mit Fakten über Achtsamkeit.

Gerade bin ich im Urlaub in der Bretagne. Jeden Morgen gehe ich hier mit meinem Hund am Strand spazieren, und heute liegt Nebel über dem Wasser, die Ebbe hat den Sand weit und offen daliegen lassen. Kein Horizont, kaum ein Geräusch außer den Pfoten im nassen Sand und meinem eigenen Atem. Während ich so gehe, denke ich über die Schönheit dieses Moments nach und darüber, wie viel darin liegt, die Erfahrung einfach so zu nehmen, wie sie gerade ist. Und wieder spüre ich, wie viel in der Achtsamkeit steckt, mehr, als die meisten ahnen.

Zur Stille habe ich ein tiefes Verhältnis. Eine der prägendsten Übungen der kontemplativen Psychologie bin ich dreimal ganz durchgegangen: die Maitri-Space-Awareness-Praxis, bei der man sich mit fünf verschieden gefärbten Brillen und Körperhaltungen den eigenen Gefühlsmustern stellt und lernt, ihnen mit Freundlichkeit statt mit Urteil zu begegnen. Jedes Mal habe ich mich dabei ein Stück besser kennengelernt.

Eines vorweg, weil es mir wichtiger ist als jeder einzelne Fakt: Achtsamkeit ohne Mitgefühl ist wie ein Vogel mit nur einem Flügel, er kommt nicht vom Boden hoch. Reines Beobachten kann kühl werden, eine harte Präsenz, die alles registriert und nichts wärmt. Erst das Mitgefühl gibt der Achtsamkeit den zweiten Flügel. Im tibetischen Buddhismus heißen diese beiden Flügel Weisheit und Mitgefühl, und keiner von beiden trägt allein.

Achtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit bewusst und ohne Urteil auf den gegenwärtigen Moment zu richten. Die kontemplative Psychologie verbindet diese jahrtausendealte buddhistische Übung mit den Erkenntnissen der westlichen Psychologie. Über beide kursiert viel Halbwissen. Die folgenden mehr als 70 Fakten sind die am besten belegten aus meiner Arbeit als Achtsamkeits- und Mitgefühlstrainerin.

Woher Achtsamkeit wirklich kommt: Ursprung und Bedeutung

  1. Das englische Wort „mindfulness“ prägte der Pali-Gelehrte Thomas William Rhys Davids im Jahr 1881, als Übersetzung des Begriffs sati.
  2. Das Pali-Wort sati bedeutet wörtlich „Erinnerung“, Achtsamkeit heißt im Kern also auch, sich immer wieder daran zu erinnern, präsent zu sein.
  3. Die buddhistische Psychologie ruht auf den Vier Edlen Wahrheiten: Leiden gehört zum Leben, es hat erkennbare Ursachen, es lässt sich lindern, und der Weg dahin ist der Achtfache Pfad.
  4. In diesem Achtfachen Pfad ist Achtsamkeit das siebte Glied, dort heißt sie samma sati, die rechte Achtsamkeit.
  5. Ihre praktische Grundlage bildet die Satipatthana-Lehre mit ihren vier Feldern: Körper, Gefühle, Geist und die Phänomene selbst.
  6. Achtsamkeit ist nur eine von vielen Meditationsformen: Klassisch unterscheidet man Samatha, die sammelnde Ruhe, und Vipassana, die Einsicht, die die Dinge klar sieht, wie sie sind.
  7. Im Buddhismus war Achtsamkeit nie eine neutrale Technik, sondern eingebettet in einen ethischen Rahmen aus rechter Rede und rechtem Handeln. Erst die westliche Säkularisierung löste sie davon.
  8. Als Übungsweg ist Achtsamkeit rund 2.500 Jahre alt, lange bevor die westliche Psychologie sie für sich entdeckte.

Was Achtsamkeit nicht ist: Die größten Missverständnisse

  1. Achtsamkeit heißt nicht, den Kopf leerzumachen oder Gedanken abzuschalten, sondern sie zu bemerken, ohne ihnen nachzulaufen.
  2. Achtsamkeit ist nicht dasselbe wie Entspannung; manchmal wird man dabei gerade wach für das Unangenehme, das man sonst übergeht.
  3. Achtsamkeit meint nicht, sich von der Welt abzuwenden oder alles gleichgültig hinzunehmen. Im Gegenteil: Sie schärft die Beziehung zur Wirklichkeit, statt sie zu betäuben.
  4. Achtsamkeit ist keine Religion, sie lässt sich säkular üben, auch wenn ihre Wurzeln buddhistisch sind.

Wie die kontemplative Psychologie entstand: Chögyam Trungpa und Naropa

Zitatgrafik im goldgelbem Ensō: Achtsamkeit ohne Mitgefühl ist wie ein Vogel mit nur einem Flügel
  1. Chögyam Trungpa (1939 bis 1987) brachte den tibetischen Buddhismus in den Westen und gründete 1974 die Naropa University in Boulder; aus seinem Dialog mit westlichen Psychologen ging die kontemplative Psychologie hervor.
  2. Von Chögyam Trungpa stammt der Begriff „spiritual materialism“, die Falle, Spiritualität zur Aufwertung des eigenen Ego zu missbrauchen; sein gleichnamiges Buch von 1973 wurde ein Klassiker.
  3. Auf Trungpa geht die Maitri-Space-Awareness-Praxis zurück, die über fünf Farben, Räume und Körperhaltungen die fünf Weisheitsenergien anspricht und verworrene Gefühle wie Angst oder Wut in Klarheit verwandeln möchte.
  4. 1978 gründete der Psychiater Edward M. Podvoll an der Naropa University das erste Department für kontemplative Psychotherapie.
  5. Ihr Herzstück ist die Idee der „brilliant sanity“, auf deutsch: die strahlende, innewohnende Gesundheit. Damit ist die Überzeugung gemeint, dass jeder Mensch von Natur aus Klarheit, Offenheit und Mitgefühl in sich trägt, auch wenn sie zeitweise verschüttet sind.
  6. Eine ihrer zentralen Übungen heißt maitri, die freundliche, mitfühlende Zuwendung zu sich selbst, gerade zu den eigenen schwierigen Zuständen.
  7. Die Lehrerin Irini Rockwell, Master in Contemplative Psychotherapy und zehn Jahre Dozentin an der Naropa University, überträgt in ihrem Buch „The Five Wisdom Energies“ ein buddhistisches Modell von fünf inneren Energien auf Persönlichkeit, Gefühle und Beziehungen.
  8. Im deutschsprachigen Raum vermittelt das Karuna Training eine mehrjährige Weiterbildung in kontemplativer Psychologie, geleitet von der Acharya Barbara Märtens, bei der ich selbst meine Ausbildung gemacht habe; „Karuna“ ist Sanskrit für Mitgefühl.
  9. Die kontemplative Psychologie versteht Qualitäten wie Einsicht, radikale Akzeptanz, Klarheit, Offenheit, Mut und Mitgefühl als etwas, das sich üben lässt.
  10. Das Mind & Life Institute, aus Dialogen zwischen dem 14. Dalai Lama und Wissenschaftlern wie dem Neurobiologen Francisco Varela hervorgegangen (erstes Treffen 1987, formelle Gründung 1991), bringt Meditation und Hirnforschung zusammen und trug den Begriff der Kontemplationswissenschaft in die Universitäten.

MBSR: Wie Achtsamkeit in Klinik und Gesellschaft ankam

  1. Jon Kabat-Zinn gründete 1979 an der University of Massachusetts Medical School eine Stress-Reduktions-Klinik. Dort entwickelte er das Programm MBSR, Mindfulness-Based Stress Reduction.
  2. MBSR ist ein achtwöchiger Kurs und bis heute das am gründlichsten erforschte Achtsamkeitsprogramm der Welt.
  3. Kabat-Zinn lernte bei den Zen-Lehrern Philip Kapleau und Thich Nhat Hanh. Er löste die Übungen aber bewusst von jedem religiösen Rahmen, damit Achtsamkeit auch in Kliniken und Unternehmen ankommen konnte.
  4. Kabat-Zinns bis heute berühmte Definition: Achtsamkeit heißt, „auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Moment und ohne zu urteilen“.
  5. Parallel dazu gründeten Sharon Salzberg, Joseph Goldstein und Jack Kornfield 1975 in Barre, Massachusetts, die Insight Meditation Society und brachten die Vipassana-Meditation der Theravada-Tradition in den Westen.
  6. Achtsamkeit ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Unter US-Erwachsenen verdreifachte sich die Meditationspraxis zwischen 2012 und 2017, von 4,1 auf 14,2 Prozent.

Achtsamkeit und Mitgefühl: Stimmen von Pema Chödrön bis Kristin Neff

  1. In der kontemplativen Psychologie gehören Achtsamkeit und Mitgefühl untrennbar zusammen, denn Achtsamkeit ohne Mitgefühl kann zu einer kühlen, harten Präsenz werden, einem bloßen Beobachten ohne Wärme.
  2. Die US-amerikanische buddhistische Nonne Pema Chödrön, geboren 1936 als Deirdre Blomfield-Brown und Schülerin von Chögyam Trungpa, machte den Begriff maitri im Westen bekannt: die bedingungslose Freundlichkeit sich selbst gegenüber als Grundlage dafür, überhaupt mitfühlend mit anderen sein zu können.
  3. In ihrem Buch „Wenn alles zusammenbricht“ lehrt Pema Chödrön die Kunst, bei sich zu bleiben, gerade wenn das Leben schwierig wird.
  4. Der deutsche Psychotherapeut Dr. Matthias Ennenbach entwickelte die Buddhistische Psychotherapie, die buddhistische Weisheit systematisch mit westlicher Verhaltenstherapie und Achtsamkeit verbindet.
  5. Der Harvard-Psychologe Christopher Germer entwickelte 2010 gemeinsam mit Kristin Neff das Programm Mindful Self-Compassion, das heute in über 30 Sprachen unterrichtet wird. In seinem Buch „The Mindful Path to Self-Compassion“ verbindet er Achtsamkeit und Selbstmitgefühl, die zwei Flügel aus der Einleitung.
  6. Die Psychologin Kristin Neff begründete die moderne Selbstmitgefühlsforschung und entwickelte 2003 die erste wissenschaftliche Skala, mit der sich Selbstmitgefühl überhaupt messen lässt.
  7. Der vietnamesische Zen-Meister Thich Nhat Hanh prägte den Begriff Interbeing, gründete die Gemeinschaft Plum Village und wurde 1967 von Martin Luther King für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.
Selbstmitgefühl to go – Workbook und Audio-Übung

Gratis · Audio + Workbook

Selbstmitgefühl to go

Eine Pause für dich. Genau dann, wenn du sie am dringendsten brauchst.

Wenn der innere Kritiker wieder laut wird, du dich verurteilst oder erschöpfst – dann ist dieses Freebie für dich. Eine 10-minütige Audio-Übung plus begleitendes Workbook, die dich einladen, dir selbst liebevoll zur Seite zu stehen.

Denn du bist die Person,
die du am dringendsten an deiner Seite brauchst.


Für 0 € · direkt in dein Postfach · Abmeldung jederzeit mit einem Klick

Achtsamkeit in Beziehungen: Zuhören und Sprechen

  1. Thich Nhat Hanh nannte tiefes Zuhören und liebevolles Sprechen eine eigene Achtsamkeitsübung: zuhören, um das Leid des anderen zu lindern, nicht, um schon die eigene Antwort zu formen.
  2. Rechte Rede ist ein eigenes Glied des Achtfachen Pfades, bewusst, wahrhaftig und wohlwollend zu sprechen, statt achtlos.
  3. Achtsamkeit entfaltet sich nicht nur auf dem Kissen, sondern zwischen zwei Menschen, im ungeteilten Präsentsein und im Innehalten, bevor man antwortet.
  4. Sharon Salzberg, eine der weltweit führenden Lehrerinnen der liebenden Güte, widmet ihr Buch „Real Love: The Art of Mindful Connection“ (2018) der Kunst, achtsam in Verbindung zu treten. Mit sich, mit anderen und mit dem Leben.
  5. Der Meditationslehrer Gregory Kramer entwickelte mit dem Insight Dialogue eine Praxis, in der Sprechen und Zuhören selbst zur Meditation werden, getragen von Schritten wie Innehalten, tief zuhören und wahrhaftig sprechen. Statt allein auf dem Kissen zu sitzen, üben zwei oder mehr Menschen, präsent zu bleiben, während sie miteinander reden, und erleben, dass auch die Begegnung ein Weg zur Einsicht sein kann.
  6. Die Gewaltfreie Kommunikation, in den 1970er-Jahren vom Psychologen Marshall Rosenberg entwickelt, teilt mit der Achtsamkeit einen Kern: erst wahrnehmen, ohne zu bewerten, dann Gefühl und Bedürfnis benennen, statt vorschnell zu urteilen. Wer so spricht, unterbricht den Automatismus aus Vorwurf und Verteidigung und schafft einen Raum, in dem sich zwei Menschen wirklich hören können.
  7. Studien deuten darauf hin, dass achtsamere Menschen zufriedener in ihren Beziehungen sind und in Konflikten gelassener reagieren
Balancierter Steinturm aus Kieseln an einem Strand in der Bretagne, Sinnbild für Balance und Achtsamkeit im Moment.
Ein Steinturm am Strand, balanciert für den Moment,
den die nächste Flut wieder auflöst

Achtsamkeit in der Forschung: Was Studien wirklich zeigen

  1. Eine Harvard-Studie von 2011 zeigte: Schon nach acht Wochen MBSR nahm die graue Substanz im Hippocampus zu, der Region für Lernen und Gedächtnis, und in der Amygdala ab, dem Angst- und Stresszentrum, bei rund 27 Minuten Übung am Tag. Man muss jedoch berücksichtigen, dass die Stichprobe mit 16 Teilnehmenden sehr klein ist.
  2. Eine Studie von Richard Davidson und Jon Kabat-Zinn aus dem Jahr 2003 fand heraus, dass acht Wochen Achtsamkeit die Hirnaktivität in Richtung positiver Gefühle verschoben. Zugleich wurde die Antikörperantwort auf eine Grippeimpfung gestärkt.
  3. Eine Harvard-Studie von 2010 wertete 250.000 Momentaufnahmen von 2.250 Menschen aus. Sie fand heraus: Unser Geist schweift rund 47 Prozent der wachen Zeit ab. Wohin er wandert, sagt mehr über unser Glück aus als das, was wir gerade tun.
  4. Bei einigen in Meditation hochtrainierten tibetischen Mönchen maßen Forscher 2004 während der Mitgefühlsmeditation ungewöhnlich starke, gut synchronisierte Gamma-Hirnwellen.
  5. Barbara Fredricksons viel zitierte Studie „Open Hearts Build Lives“ legt nahe, dass Metta-Meditation über Wochen positive Gefühle aufbaut, aus denen dauerhafte innere Ressourcen wachsen.
  6. Eine über 80 Jahre laufende Langzeitstudie der Harvard-Universität nennt gute, enge Beziehungen als den stärksten Faktor für ein erfülltes, gesundes Leben, stärker als Wohlstand oder Erfolg.
  7. Große Unternehmen wie Google und SAP haben eigene Achtsamkeitsprogramme, Googles Kurs trägt den Namen „Search Inside Yourself“.
  8. Der gemeinsame Nenner all dieser Studien heißt Neuroplastizität: Das Gehirn formt sich nach dem, was wir wiederholt üben, ähnlich wie ein Muskel wächst.

McMindfulness: Grenzen und Risiken von Achtsamkeit

  1. Unter dem Stichwort „McMindfulness“ kritisiert Ronald Purser (2019), dass Achtsamkeit Stress zur Privatsache macht und von gesellschaftlichen Ursachen ablenkt, statt sie zu verändern.
  2. Trauma-sensible Achtsamkeit (David Treleaven, 2018) warnt: Bei traumatisierten Menschen kann intensives Nach-innen-Schauen Flashbacks oder Dissoziation auslösen, Achtsamkeit ersetzt dann keine Therapie.
  3. Meditation ist nicht immer sanft: Die Forschung von Willoughby Britton („The Varieties of Contemplative Experience„, 2017) zeigt, dass intensive Praxis auch schwierige, belastende Zustände auslösen kann.
  4. Achtsamkeit ist kein Allheilmittel: Bei ernsteren psychischen Erkrankungen ergänzt sie eine Behandlung, ersetzt aber weder Psychotherapie noch ärztliche Hilfe.
  5. Die Studienlage ist ungleich: Für Stressbewältigung und die Rückfallprävention bei Depression ist die Wirkung gut belegt, bei vielen anderen Versprechen dünner, als der Boom vermuten lässt.
  6. Ohne ihren ethischen Kern kann Achtsamkeit zur bloßen Leistungstechnik werden, genau deshalb fordern Kritiker die Rückbindung an Mitgefühl und Haltung, den zweiten Flügel.

Buddhistische Begriffe für den Alltag: Interbeing, Anatta & Co.

  1. Interbeing beschreibt die tiefe Verbundenheit von allem: Ein einziges Stück Brot enthält Korn, Regen, Sonne, Erde und die Arbeit unzähliger Hände, so machte Thich Nhat Hanh deutlich, dass nichts für sich allein existiert.
  2. Anatta, das Nicht-Selbst, ist die Einsicht, dass es kein festes, unveränderliches Ich gibt, sondern eine Identität aus ständig wechselnder Erfahrung.
  3. Anicca, die Vergänglichkeit, besagt, dass alles dem Wandel unterliegt und dass Anhaften an Vergänglichem Leid erzeugt.
  4. Tonglen dreht unseren natürlichen Reflex um: Du atmest das Leiden anderer bewusst ein und schickst ihnen im Ausatmen Wohlbefinden. Pema Chödrön hat diese Praxis im Westen verbreitet.
  5. Die Brahmaviharas, die vier Unermesslichen, sind liebevolle Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut.
  6. Mudita, die Mitfreude, meint die aufrichtige Freude über das Glück anderer, und sie erweitert deine eigene Fähigkeit zur Freude.
  7. Der zweite Pfeil: Den ersten Pfeil, den Schmerz, kannst du nicht verhindern. Den zweiten aber, das Grübeln und Hadern, schießt du selbst ab.
  8. Anfängergeist heißt, die Welt so frisch und offen zu betrachten wie ein Kind, ganz gleich, wie alt du bist.
  9. Selbstmitgefühl bedeutet, dir selbst in schweren Zeiten so freundlich zu begegnen wie einer guten Freundin.

Achtsamkeit im Alltag: Übungen für Essen, Gehen und Reagieren

  1. Die fünf Betrachtungen aus der Tradition von Thich Nhat Hanh laden vor dem Essen zu Dankbarkeit, weniger Gier und dem Bewusstsein der Verbundenheit ein.
  2. Die Rosinen-Übung, bei der du eine einzige Rosine langsam erspürst, ist eine klassische MBSR-Übung und zeigt, wie viel Sinnesreichtum in einem einzigen Augenblick steckt.
  3. Echtes Mitgefühl lässt dich anderen beistehen und dabei innerlich stabil bleiben, während Mitleid dich selbst schwächt und auslaugt.
  4. Der Atem ist dein Anker, das einzige Werkzeug, das du immer dabeihast und das dich jederzeit in die Gegenwart zurückholt.
  5. Ein einziger bewusster Atemzug mitten im Trubel ist bereits eine vollständige Achtsamkeitsübung.
  6. Achtsames Gehen verwandelt jeden Schritt in einen Anker in der Gegenwart.
  7. Innehalten vor dem Reagieren schafft jenen kleinen Spalt, in dem echte Wahlfreiheit entsteht.
  8. Achtsamkeit lässt sich in jede Alltagshandlung einladen, ins Zähneputzen, Spülen, Gehen oder Warten an der Ampel.
  9. Am Ende ist Achtsamkeit keine Technik, sondern eine liebevollere Art, mit sich, mit anderen und mit dem Leben in Beziehung zu treten.

Und jetzt? Wie du Achtsamkeit heute anwendest

Du musst dir von all diesen Fakten keinen einzigen merken. Achtsamkeit lebt nicht vom Wissen, sondern vom Tun, von diesem einen bewussten Atemzug mitten im Trubel. Von dem Moment, in dem du deinem Gegenüber wirklich zuhörst. Wenn dich einer dieser Sätze berührt hat, dann nimm ihn heute mit hinaus und probier ihn aus. Denn wo Beziehungen gelingen, gelingt das Leben. Und das beginnt bei der Beziehung zu diesem einen Augenblick, der gerade jetzt da ist.

Wenn du dem Leben mit mehr Präsenz, Freundlichkeit und Lebendigkeit begegnen möchtest, begleite mich gern ein Stück. In meinem wöchentlichen Newsletter „Kindful Moments“ findest du einen freundlichen Moment mitten in deiner Woche – mit Gedanken, Geschichten und Impulsen über das Menschsein, das Leben und alles dazwischen. Ich freue mich, wenn du dabei bist.

Häufige Fragen

Was ist kontemplative Psychologie?

Die kontemplative Psychologie verbindet die jahrtausendealte buddhistische Übung der Achtsamkeit mit den Erkenntnissen der westlichen Psychologie. Sie entstand in den 1970er-Jahren im Umfeld des tibetischen Meisters Chögyam Trungpa und der Naropa University und versteht Qualitäten wie Klarheit, Offenheit und Mitgefühl als etwas, das sich üben lässt.

Was ist der Unterschied zwischen Achtsamkeit und Meditation?

Meditation ist der Oberbegriff für viele Übungswege, Achtsamkeit ist einer davon. Klassisch unterscheidet man die sammelnde Ruhe (Samatha) und die Einsicht (Vipassana). Achtsamkeit meint dabei die Haltung, die Aufmerksamkeit bewusst und ohne Urteil auf den gegenwärtigen Moment zu richten, ob auf dem Kissen oder mitten im Alltag.

Ist Achtsamkeit wissenschaftlich belegt?

In Teilen ist Achtsamkeit gut belegt. Studien zeigen zum Beispiel messbare Veränderungen im Gehirn nach acht Wochen Achtsamkeitstraining und einen Zusammenhang mit weniger Stress. Für Stressbewältigung und die Rückfallprävention bei Depression ist die Wirkung solide belegt, bei manchen anderen Versprechen ist die Studienlage dünner, als der Boom vermuten lässt.

Kann Achtsamkeit auch schaden?

Für die meisten Menschen ist sie sicher, harmlos-neutral ist sie aber nicht. Bei traumatisierten Menschen kann intensives Nach-innen-Schauen belastende Zustände wie Flashbacks oder Dissoziation auslösen, und bei ernsten psychischen Belastungen ersetzt sie keine Therapie. Wer unsicher ist, übt am besten begleitet.

Quellen und zum Weiterlesen

Studien

  • Hölzel, Lazar u. a. (2011), Gehirnveränderungen nach acht Wochen MBSR, Grundlage von Fakt 39 – Harvard Gazette
  • Davidson, Kabat-Zinn u. a. (2003), „Alterations in Brain and Immune Function Produced by Mindfulness Meditation“, Grundlage von Fakt 40 – Publikation
  • Killingsworth & Gilbert (2010), „A Wandering Mind Is an Unhappy Mind“, Science, Grundlage von Fakt 41 – Harvard Gazette
  • Lutz, Davidson u. a. (2004), Gamma-Synchronie bei erfahrenen Meditierenden, PNAS, Grundlage von Fakt 42 – pnas.org
  • Fredrickson u. a. (2008), „Open Hearts Build Lives“, Grundlage von Fakt 43 – zur Studie
  • Harvard Study of Adult Development (seit 1938), Grundlage von Fakt 44 – adultdevelopmentstudy.org
  • Meditationsnutzung in den USA 2012 bis 2017, Grundlage von Fakt 28 – National Institutes of Health
  • Lindahl, Britton u. a. (2017), „The Varieties of Contemplative Experience“, Grundlage von Fakt 49 – Gespräch mit den Autoren

Herkunft, Personen und Grundlagen

  • Achtsamkeit, sati und der Achtfache Pfad (Fakten 1, 2, 4, 5) – Wikipedia: Mindfulness
  • Die Vier Edlen Wahrheiten (Fakt 3) – Wikipedia
  • Samatha und Vipassana (Fakt 6) – Wikipedia: Buddhist meditation
  • Chögyam Trungpa, Naropa University und „spiritual materialism“ (Fakten 13 und 14) – Chögyam Trungpa Digital Library
  • Maitri Space Awareness (Fakt 15) – Shambhala
  • Kontemplative Psychotherapie: Edward Podvoll, brilliant sanity, maitri (Fakten 16 bis 18) – Wikipedia
  • Irini Rockwell und die fünf Weisheiten (Fakt 19) – Drala Mountain Center
  • Barbara Märtens und das Karuna Training (Fakten 20 und 21) – karunatraining.de
  • Mind & Life Institute, Dalai Lama und Francisco Varela (Fakt 22) – Wikipedia
  • Jon Kabat-Zinn und MBSR (Fakten 23 bis 26) – Wikipedia
  • Insight Meditation Society, Salzberg, Goldstein, Kornfield (Fakt 27) – Wikipedia
  • Pema Chödrön, maitri und tonglen (Fakten 30, 31, 53) – Wikipedia und Tricycle
  • Matthias Ennenbach, Buddhistische Psychotherapie (Fakt 32) – info-bpt.de
  • Christopher Germer und Mindful Self-Compassion (Fakt 33) – chrisgermer.com
  • Kristin Neff und die Selbstmitgefühlsforschung (Fakt 34) – Wikipedia
  • Thich Nhat Hanh, Interbeing, Plum Village und tiefes Zuhören (Fakten 35, 36) – Plum Village
  • „McMindfulness“, Ronald Purser (Fakt 47) – psychotherapy.net
  • Trauma-sensible Achtsamkeit, David Treleaven (Fakt 48) – davidtreleaven.com
  • Achtsamkeit in Unternehmen, Google und SAP (Fakt 45) – Knowledge at Wharton

Alle übrigen Punkte erklären buddhistische Begriffe, räumen mit Missverständnissen auf oder geben Einsichten aus meiner eigenen Praxis wieder.

Welcher dieser Fakten hat dich besonders überrascht oder berührt? Schreib mir gern in die Kommentare. Ich freue mich, von dir zu lesen, und antworte auf jede Rückmeldung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Hallo - schön, dass du hier bist!

Mein Name ist Pia Hübinger.

Ich bin Diplompädagogin, psychologische Beraterin und Karuna-Trainerin im Rhein-Sieg-Kreis.

Ich unterstütze dich, lebendige, freundliche Beziehungen mit dir selbst und Anderen aufzubauen und auch in schwierigen Situationen dem Leben mit Wertschätzung und Zuversicht zu begegnen.

Da Beziehungen überall dort eine Rolle spielen, wo sich Menschen begegnen, arbeite ich sowohl mit Einzelpersonen, Paaren und Familien als auch mit Kindergärten, Schulen und Unternehmen.

Egal, welches Anliegen dich hierhergeführt hat: Ich heiße dich herzlich willkommen!

Leben ist nicht immer leicht. Manchmal geraten wir in Krisen und stecken fest in unseren Gefühlen und Gedanken. In geschütztem Rahmen begleite und unterstütze ich dich in herausfordernden Lebenssituationen. 

Vorwürfe, Distanz, ständig wiederkehrende Konflikte belasten deine Paarbeziehung oder dein Familienleben? Du fühlst dich nicht gehört, nicht gesehen, nicht verstanden? 

Menschen in sozialen und helfenden Berufen, die ihre Arbeit dem Wohlergehen Anderer widmen, finden hier einen geschützten Raum für die professionelle Reflexion ihrer Arbeit. 

Tragen Sie sich jetzt in den Newsletter ein und erhalten Sie die Übungsanleitung "Selbstmitgefühl statt Selbstkritik"
zum direkten Anhören!

Der Newsletter-/E-Mail-Versand erfolgt entsprechend meiner Datenschutzerklärung über den Anbieter ActiveCampaign. 

In meinem Newsletter geht es um Themen rund um Achtsamkeit, Beziehungsgestaltung und Kommunikation. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.