Der April war ein Monat der Gegensätze. Ich stand auf einer Messe, auf der es ums Sterben ging, und habe dort mehr Lebensfreude gespürt als an vielen anderen Orten. Zu Hause haben wir die Erstkommunion meines Sohnes und die Firmung meiner Tochter gefeiert, zwei Feste, die zeigen, wie schnell die Kinder größer werden. Und in Ungarn ist etwas passiert, das viele nicht mehr für möglich gehalten hatten. So verschieden diese Tage waren: Immer waren es die Menschen, die den Unterschied gemacht haben.
Und dann war da auch noch der ganz normale Alltag.
Die Inhalte dieses Blogartikels:
ToggleAussteller auf der Messe „Leben und Tod“ in Bremen
Zwei Tage Bremen, und ich hatte mit allem gerechnet, nur nicht mit so viel Leichtigkeit. Ich war mit meinem Mann und unseren beiden jüngeren Kindern auf der Messe „Leben und Tod“, während unsere älteste Tochter Haus und Hund hütete. Im Vorfeld hatte ich Sorge, die Stimmung dort könnte schwer und die Messe für die Kinder vor allem langweilig sein. Es kam ganz anders. Sie haben an einem Messestand einen Sarg mit Acrylfarben bemalt, an einem Klanginstrumente ausprobiert, mit Therapiehunden gekuschelt, sind mit einem Aussteller nach dem anderen ins Gespräch gekommen und haben nebenbei an etlichen Ständen Süßigkeiten abgestaubt.
Die „Leben und Tod“ ist eine bundesweit einzigartige Veranstaltung, die es seit 2009 gibt: Fachkongress und Publikumsmesse zugleich, rund um die Themen Sterben, Tod, Trauer und Vorsorge. Zweimal im Jahr findet sie statt, im Frühjahr in Bremen, im Herbst in Freiburg. Wer glaubt, an einem solchen Ort werde nur andächtig geflüstert, liegt – wie ich – daneben. In den Gängen wurde gelacht, gesungen, umarmt, und selten habe ich so viele freundliche, zugewandte und zuversichtliche Gesichter auf einem Fleck gesehen.
Unseren Stand haben wir mit Ingo Stoll geteilt, der als Audiograf aus Klang echte Kunstwerke macht. Das passt gut zusammen, denn wir sammeln beide Lebensgeschichten – er mit dem Mikrofon, wir mit lebenswerk.ai. Uns geht es darum, Biografiearbeit zu demokratisieren: Jeder soll sie sich leisten können, auch wer keinen Audiografen oder Biografen bezahlen kann. Ingo endlich persönlich kennenzulernen, war einer der Höhepunkte der beiden Tage. Schon am ersten Abend saßen wir zu dritt zusammen und schmiedeten Pläne, wie wir weiter kooperieren können. Eine Idee lässt uns seither nicht mehr los: mit einem Bus durch Deutschland zu fahren und unterwegs Lebenslust-Geschichten zu sammeln und auf dem Festival der Lebensgeschichten in Hannover vorzustellen.
Das Interesse an lebenswerk.ai war so groß, dass ich es zu keinem einzigen Vortrag und keinem Workshop geschafft habe – ein schönes Problem. Bewegt hat mich vor allem die Vielfalt der Angebote: die liebevoll gestalteten Coaching-Karten von coachingzeugs oder die Jahresgruppe, in der man ein Jahr lang so lebt, als wäre es das letzte des eigenen Lebens – ein Gedanke, der mich noch lange begleitet hat. Dass dieselben Klanginstrumente, die meine Kinder ausprobiert haben, anderswo eine Verständigung mit Menschen ermöglichen, die kommunikativ sonst kaum noch erreichbar sind, habe ich erst später verstanden.
Besonders gefreut habe ich mich über zwei Begegnungen: mit Dr. Anne Werner aus Düsseldorf und mit Britta Preuße, die ein Angebot zu KI und Trauer vorgestellt hat. Und über eine Einladung, die wir am Ende der Messe von der Veranstalterin erhielten: Im Herbst dürfen wir mit lebenswerk.ai auch bei der „Leben und Tod“ in Freiburg dabei sein. Darüber freue ich mich sehr.
Am ersten Tag habe ich etwas früher Schluss gemacht und bin mit den Kindern ins Universum Bremen gegangen, das große Experimentier- und Mitmachmuseum der Stadt. Dort läuft gerade die Sonderausstellung „LIEBE.“. Auf rund 550 Quadratmetern nähern sich sieben Themenbereiche dem Gefühl von allen Seiten, von der Biochemie im Gehirn über die Eltern-Kind-Bindung bis zu den Liebesspielen im Tierreich. Ein passenderes Kontrastprogramm zu einer Messe über das Lebensende hätte ich selbst mir kaum ausdenken können.



#frauenstärken — Working Out Loud
Bereits zum zweiten Mal habe ich in diesem Frühjahr bei #frauenstärken powered by Working Out Loud mitgemacht. Das ist eine Lernreise, auf der jede Teilnehmerin in einem Zeitraum von neun Wochen ein persönliches Ziel verfolgt, es sichtbar macht und gemeinsam mit den anderen voranbringt. Die Methode geht auf John Stepper zurück, der sie 2015 in seinem gleichnamigen Buch beschrieben hat. Man erreicht ein selbstgewähltes Ziel gemeinsam mit einem kleinen Kreis, in dem alle ihre Fortschritte offen teilen und sich gegenseitig weiterhelfen. Das Prinzip dahinter ist Großzügigkeit: Wissen und Kontakte weitergeben, ohne gleich eine Gegenleistung zu erwarten. #frauenstärken überträgt diese Idee auf einen Kreis von Frauen, die sich beruflich und persönlich weiterentwickeln wollen.
Diesmal hatte ich einen ungewöhnlich starken Circle. Von diesen vier Frauen habe ich viel gelernt: von Lorina Brugger, die mehr Konfetti in ihre Workshops bringen will; von Monika Adamczyk, die mit Resonanzräumen arbeitet und großartig moderiert; von Bettina Jung, die der Frage nachgeht, wie sich Wissen und Erfahrung in Unternehmen weitergeben lassen; und von Sabine Dellermann, die sich dafür einsetzt, dass junge Menschen mit Behinderung eine Chance im ersten Arbeitsmarkt bekommen.
Mein eigenes Ziel war es, ein Gruppenformat für Biografiearbeit zu entwickeln. Entstanden ist „Deine Geschichte ist es wert, erzählt und bewahrt zu werden.“ In Kürze startet die erste Runde. In der Gruppe gibt es kreative und achtsame Impulse, um Erinnerungen zu wecken und mit der eigenen Geschichte in Resonanz zu gehen. Darüber hinaus gibt es Raum für wertschätzenden Austausch und gegenseitige Unterstützung. Zwischen den Treffen arbeitet jede für sich an ihrer eigenen Biografie. Am Ende hält jede ihre Lebensgeschichte als Buch in den Händen.
→ Komm in meinen Newsletter, dann erfährst du, wann die nächste Runde beginnt.
Netzwerken — echte Begegnung zählt
So sehr ich die digitale Arbeit schätze, ersetzen kann sie die leibhaftige Begegnung nicht. Der April war reich an solchen Begegnungen.
Am Bildschirm lässt sich vieles erledigen, doch wenig entsteht dort ungeplant. Die besten Verbindungen entstehen fast immer aus einem Moment, den niemand auf die Tagesordnung gesetzt hat: ein Gespräch beim Ankommen, eine Frage nach dem Vortrag, aus der sich ein gemeinsames Projekt entwickelt. Gemeinsam an einem Tisch wächst Vertrauen schneller, und man bleibt einander eher im Gedächtnis.
Seit letztem Sommer hoste ich einmal im Monat das Frauennetzwerk in Siegburg/Bonn. Im April hatte ich Agnes Eberhard eingeladen, Transformationsbegleiterin im Wandel durch Künstliche Intelligenz, mit einem Impuls zu dem Thema „Zwischen Fokus und Sog: Was KI wirklich mit dir macht“. Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten und bringt zugleich eine neue Dynamik mit sich. Agnes ging es darum, ein Bewusstsein für diesen Sog zu schaffen und zu zeigen, wie wir bei all dem bei uns selbst bleiben können. Der rege Austausch im Anschluss an ihren Impuls zeigt, wie sehr das Thema uns als selbstständige Frauen umtreibt. .
Außerdem war ich im April zum ersten Mal beim Treffen der Golden Females in Bonn und bei CreativeMornings in Köln. Dort lautete das Monatsthema „Ember“, die Glut. Ember ist der glimmende Rest eines Feuers. Das, was weiterglüht, wenn die Flammen längst herunter sind. CreativeMornings hatte den Begriff weltweit zum Thema des Monats gemacht, als Bild für das, was nach der großen Hitze bleibt: stille Widerstandskraft, ein Funke, der nicht groß sein muss, um zu wärmen. In Köln verband Helena Himmelsbach in ihrem Vortrag dieses Bild mit dem inneren Feuer der Ayurveda-Lehre und mit der Frage, wie man die eigene Glut nährt, ohne auszubrennen. Besonders gefreut habe ich mich, Julia Allmann, Autorin und Buchmentorin, und Susanne Seydel, die Frauen nach einer Brustkrebserkrankung begleitet, wiederzusehen, die ich beide aus anderen Netzwerken kenne.

Leitbild für eine Grundschule
Im April durfte ich eine Grundschule dabei begleiten, ein neues Leitbild zu entwickeln. Im Mittelpunkt stand eine große Frage: Welche Fähigkeiten brauchen Kinder heute, um zukunftsfähig zu werden?
Wir haben uns intensiv mit den Werten beschäftigt, die dem Leitbild zugrunde liegen sollen, und mit der Frage, was sie konkret für diese Schule, dieses Kollegium, diesen Alltag bedeuten. Mut und Growth Mindset rückten dabei in den Mittelpunkt. Am aufschlussreichsten war der Moment, in dem wir merkten, dass wir mit einem Wort wie Mut längst nicht dasselbe meinen. Für die eine bedeutete Mut, vor der Klasse einen eigenen Fehler zuzugeben. Für einen Kollegen hieß es, eine bewährte Methode loszulassen und etwas Ungewohntes zu wagen. Erst als wir solche Unterschiede aussprachen, entstand ein gemeinsames Verständnis, das für alle trägt.
Am Ende soll das Leitbild im Schulalltag Orientierung geben: im Umgang mit Kindern und Eltern, aber auch untereinander im Kollegium. Es soll spürbar werden in der Wahl der Unterrichtsmethoden und der Didaktik ebenso wie in der Art, wie man zusammenarbeitet und Dinge transparent macht. Aus schönen Worten auf einem Flipchart wird so ein Kompass, an dem sich konkrete Entscheidungen ausrichten lassen.
Worüber ich mich im April besonders gefreut habe
Innerhalb einer Woche haben wir im April zwei große Feste gefeiert: die Erstkommunion unseres Sohnes und, sieben Tage später, die Firmung unserer Tochter. Zwei festliche Wochenenden hintereinander, das Haus voller Gäste, und jedes der beiden Kinder einmal ganz im Mittelpunkt.
Bei der Erstkommunion ging mir ein Moment besonders nahe: Unsere beiden verwitweten Nachbarinnen waren eingeladen, und ihre Freude, einen Nachmittag in so viel Gesellschaft zu verbringen, war für mich das schönste Geschenk des Tages. Die Firmung feierten wir im kleineren Kreis, mit einem gemeinsamen Abendessen. Dass unsere Tochter meine beste Freundin als Firmpatin gewählt hat, hat mich gleichzeitig gefreut und sehr gerührt.
Solche Tage erden mich, bei allem, was sonst an Terminen und Ideen durch den Kopf geht.
Und dann war da noch etwas, das mich auf ganz andere Weise gefreut hat: Die Wahl in Ungarn. Am 12. April wurde dort demokratisch gewählt, und der Ausgang der Wahl wurde anerkannt, etwas, das viele für ausgeschlossen gehalten hatten. Nach sechzehn Jahren an der Macht räumte Viktor Orbán noch am Wahlabend seine Niederlage ein und gratulierte dem Sieger Péter Magyar. Dass ein solcher Wechsel auf demokratischem Weg überhaupt noch möglich ist, macht mich zuversichtlich.
Magyar hat das ganze Land bereist, bis in die Winkel, die andere links liegen lassen. Er ist mit dem Bus über Land gefahren, zu Fuß gegangen, an manchen Tagen sogar mit dem Kanu bis in die entlegensten Dörfer gepaddelt. In der Endphase des Wahlkampfs kam er auf bis zu sieben Auftritte an einem einzigen Tag – der helle Wahnsinn.
Er ging in die Puszta, in die abgehängten Regionen, dorthin, wo die Menschen längst das Gefühl hatten, dass niemand mehr zu ihnen kommt und sich für sie interessiert. Oft sprach er nur vor einer Handvoll Leute. Damit zeigte er, dass er begriffen hat, dass Politik Beziehungsarbeit ist, im wörtlichsten Sinn.
Und hier liegt für mich der Kern. Wo Beziehungen gelingen, da gelingt das Leben – deshalb habe ich für meine Praxis den Namen beziehungsweise gewählt. Er steht dafür, Beziehungen weise zu gestalten, zu mir selbst, zu anderen, zur Welt. Und das Wort hat noch eine weitere Bedeutung: „genauer gesagt“. Es erinnert mich daran, mir Mühe zu geben, das was ich sagen will, so genau, so präzise auszudrücken, dass mein Gegenüber mich wirklich versteht. Magyar hat beides getan: Er ist hingegangen, und er hat den Menschen zugehört, statt über sie hinweg zu senden.



Persönlich: Was im April sonst noch los war
Ostersonntag haben wir wie jedes Jahr bei meiner Mutter verbracht, wo auch meine beiden Schwestern mit ihren Familien zusammengekommen sind. Dazu gehörte, wie jedes Jahr, im Vorfeld das Ostereierfärben und morgens die Nestersuche. Je älter die Kinder werden, desto kniffliger die Verstecke. Ein Ostergeschenk klebte dieses Mal unter dem Tisch.
Am Ostermontag ging es ins Phantasialand, mit meiner Schwester und den Kindern, bei herrlichem Wetter. Die Achterbahnen haben mich einige Überwindung gekostet, aber ich bin fast alle mitgefahren. Dieses Kribbeln im Bauch, das meine Kinder so lieben, habe ich diesmal selbst gespürt und ich bin froh, dass wir das gemeinsam erlebt haben.
Mit meiner Mittleren hatte ich mir außerdem eine Sport-Challenge vorgenommen: jeden zweiten Tag aufs Peloton, entweder aufs Rad oder aufs Laufband. In der Summe haben wir es geschafft – im April sind bei mir rund 130 Kilometer auf dem Rad zusammengekommen, dazu einige auf dem Laufband.
Aus meiner Schreibwerkstatt
Zum Schreiben bin ich im April trotz allem gekommen: Fünf Blogartikel sind entstanden, der erste am 1. April:
- Am 1. April habe ich ein neues Angebot vorgestellt. So verlockend es auch klingen mag, es ist dennoch natürlich ein Aprilscherz: Zertifizierte™ Lebendigkeit – ein neues Programm für eine neue Zeit
- Ein liebgewonnenes Ritual ist inzwischen meine To-Want-Liste, die ich seit mehr als zwei Jahren zu Beginn eines Quartals schreibe und veröffentliche
- Da ich mich seit einem Jahr intensiv mit dem Thema Biografiearbeit beschäftige, habe ich im April eine kleine Artikelserie zu dem Thema erstellt. Der erste Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, was Biografiearbeit eigentlich ist.
- Im zweiten Beitrag der Serie beschäftigt sich mit der Frage, wie Biografiearbeit dabei helfen kann, das eigene Leben besser zu verstehen: Biografiearbeit: Wie der Blick auf dein Leben Klarheit, Sinn und Versöhnung bringen kann
- Im dritten Beitrag habe ich 20 biografische Fragen zusammengestellt, mit denen du ganz konkret in das Thema einsteigen kannst.
Ausblick: Was der Mai bringt
Im Mai stelle ich meine Biografiegruppe „Deine Geschichte ist es wert, erzählt und bewahrt zu werden“ auf einem Barcamp in Bergisch Gladbach vor. Bei einem Barcamp entsteht das Programm erst vor Ort, aus den Themen, die die Teilnehmenden selbst mitbringen – ich bin gespannt, auf welche Resonanz meine Idee dort trifft und was ich von den anderen mitnehme.
Außerdem bin ich zum ersten Mal beim LinkedIn Local Treffen in Bonn dabei. Diesmal steht das Ehrenamt im Mittelpunkt, ein Thema, das mir am Herzen liegt, und ich bin neugierig auf die Gespräche, die sich daraus ergeben.
Solltest du bei einem der beiden Termine auch dabei sein, komm gern auf mich zu – ich freue mich über jede Begegnung in echt.
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Jeden Mittwoch ein freundlicher Moment für dich –
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Ein persönlicher Brief von mir für dich.
Trag dich ein – ich freue mich auf dich.
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Pia Hübinger ist Pädagogin, Coach und Trainerin für Achtsamkeit, Mitgefühl und achtsamkeitsbasierte Kommunikation. In ihrer Arbeit verbindet sie westliche und buddhistische Psychologie, Körperweisheit und Nervensystemarbeit zu einem heilsamen Prozess des Wieder-Ganz-Werdens. Sie ist davon überzeugt, dass Heilung und Veränderung dort beginnen, wo wir aufhören, uns selbst zu bekämpfen und lernen, uns mit liebevoller Präsenz zu begegnen.
Ihr Ansatz Radical Belonging verbindet psychologische Klarheit mit der Bereitschaft, auch schwierigen Erfahrungen nicht auszuweichen. Sie erteilt keine Diagnosen und keine Ratschläge, sondern schafft einen Rahmen, in dem Menschen ihrem eigenen Erleben begegnen können. Unzensiert, unverstellt, ungefällig. Denn nur wenn Veränderung an die eigene Erfahrung angebunden ist, hat sie Bestand.
Mehr über die Autorin erfährst du hier.



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