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CoachCamp Köln Erfahrungen: Warum ich wiederkomme und für wen es sich nicht lohnt

CoachCamp Köln: Meine Erfahrungen. Pinnwand mit dem Tagesplan

Es ist ein kalter Januarmorgen 2025. Die Sonne scheint, der Himmel ist strahlend blau, und ich laufe am Rhein entlang zum Bürgerhaus Stollwerck. Ich bin viel zu früh dran, fast eine Stunde vor Beginn. Aber das macht nichts. Ich freue mich auf das, was vor mir liegt, bin neugierig und auch ein bisschen aufgeregt. Denn so richtig weiß ich nicht, was mich erwartet. Ich habe mich zum CoachCamp Köln angemeldet, ohne genau zu wissen, was ein Barcamp eigentlich ist.

Vor dem Bürgerhaus Stollwerck hole ich mein Handy heraus, um ein Selfie zu machen, vielleicht eine kleine Story für Instagram. Zeigen, dass ich hier bin und mich auf etwas Neues einlasse.

Doch dazu komme ich gar nicht.

Noch bevor ich die Kamera auf mich richten kann, werde ich angesprochen. Ob ich zum ersten Mal dabei sei? Ob ich wüsste, wo es hineingehe? Ein anderer Teilnehmer nimmt mich kurzerhand mit. Drinnen warten Kaffee und Frühstück, überall stehen Menschen zusammen und kommen ins Gespräch.

Schnell merke ich, dass viele sich schon von früheren CoachCamps kennen. Da wird herzlich begrüßt, nachgefragt und an vergangene Begegnungen angeknüpft. Und trotzdem habe ich keinen Moment das Gefühl, neu oder außen vor zu sein. Es gibt keine geschlossenen Grüppchen, in die man erst mühsam einen Weg finden muss. Ich komme ganz selbstverständlich mit anderen ins Gespräch und fühle mich vom ersten Moment an willkommen.

Obwohl ich zum ersten Mal hier bin, fühle ich mich nicht wie eine Fremde.

Was als neugieriger Versuch begann, ist inzwischen zu einem festen Termin in meinem Kalender geworden. Zweimal war ich beim CoachCamp Köln, für Januar 2027 habe ich mein Ticket bereits gekauft. Mich überzeugt die Offenheit des Formats: Hier darf man Neues entdecken, unfertige Ideen mitbringen und gemeinsam mit anderen weiterdenken. Das muss man allerdings mögen. Wer dagegen ein festes Programm mit bekannten Referent*innen und kuratierten Inhalten erwartet, wird sich auf einem klassischen Kongress wahrscheinlich wohler fühlen.

Transparenzhinweis: Ich habe beide CoachCamp-Besuche selbst bezahlt und schreibe diesen Erfahrungsbericht aus eigenem Antrieb. Für meine Empfehlung erhalte ich weder eine Vergütung noch sonstige Vorteile.

Auf einen Blick: Das CoachCamp Köln ist ein Weiterbildungscamp im Barcamp-Format für Coaches, Berater*innen und Trainer*innen und findet 2027 zum 11. Mal statt. Barcamp heißt: Es gibt kein fertiges Programm. Wer etwas anzubieten hat, stellt seine Idee am Morgen vor, und so entsteht der Sessionplan live. Teilnehmende sind gleichzeitig Teilgebende.

Termin 2027: Freitag, 29., und Samstag, 30. Januar 2027, jeweils 9:30 bis 18 Uhr

Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Dreikönigenstraße 23, 50678 Köln

Ablauf: Ankommen mit Kaffee und Frühstück, Vorstellungsrunde, Sessionplanung, bis zu fünf Sessions parallel à 45 Minuten, Mittagspause mit veganem Buffet, am Ende die Verlosung der Bücher vom Büchertisch.

Tickets: Über die Website des CoachCamps

Gastgeberinnen: Annette Bauer, die Initiatorin, und Dr. Anne Werner

Hashtag: #dasgroßeWIR

Barcamp oder Kongress: Was sich nach zwanzig Jahren Wissenschaft anders anfühlt

Fast zwanzig Jahre lang war ich in Forschung und Lehre an der Universität zu Köln tätig und habe in dieser Zeit viele wissenschaftliche Kongresse besucht. Ich bin immer gerne hingefahren, habe neue Erkenntnisse und Studien kennengelernt, erkenntnisreiche Vorträge gehört und viel dazugelernt. Das Programm stand im Vorfeld fest, sodass ich gezielt auswählen konnte, welche Themen und Referent*innen mich interessierten. Als junge Wissenschaftlerin war es allerdings gar nicht so einfach, selbst einen Vortragsslot zu bekommen. Und in den Diskussionen ging es durchaus auch darum, die eigene Expertise zu zeigen und sich fachlich zu positionieren. Ich habe diese Kongresse sehr geschätzt. Das Barcamp habe ich nun als eine ganz andere Form des fachlichen Austauschs kennengelernt, die mich auf ihre eigene Weise begeistert.

Ein Barcamp hat eine ganz andere Qualität. Wer etwas präsentieren möchte, stellt seine Idee vor und bekommt – genügend Interesse bei den Teilnehmenden vorausgesetzt – einen Raum. Ich habe das als Neue bereits am zweiten Tag gewagt, mit einer Session, die ich gar nicht vorbereitet hatte. Alle tragen etwas bei, ob mit einer eigenen Session oder im gemeinsamen Austausch. Und alle gehören dazu, auch beim ersten Mal. Vielleicht erklärt das, warum sich mein zweiter Besuch schon ein bisschen wie ein Familientreffen anfühlte.

CoachCamp (Barcamp)Klassischer Kongress
Programmentsteht am Morgen vor Ortsteht vorher fest, man weiß, wer spricht
Eigener BeitragWer etwas anzubieten hat, pitcht es und bekommt, genügend Interesse vorausgesetzt, einen RaumFür junge Wissenschaftler*innen schwer, überhaupt einen Time-Slot für einen Vortrag zu bekommen
Passt zuNeugier, Offenheit, Bereitschaft, sich überraschen zu lassenWer vorab ein festes Programm mit bekannten Referent*innen sucht

Hinter dem CoachCamp stehen Annette Bauer und Dr. Anne Werner, die mit viel Herzblut und einem feinen Gespür für Menschen eine offene, herzliche und wertschätzende Atmosphäre schaffen. Das zeigt sich auch in den vielen liebevoll gestalteten Details. So kam das vegane Mittagsbuffet 2026 vom Café Bauchgefühl, das die Teilnehmenden aus seinem Foodtruck „Der gute Heinrich“ versorgte. Für den Kaffee sorgen als Sponsor die Röstmeister aus Düsseldorf.

Besonders schön finde ich auch den großen Büchertisch mit Büchern und Kartensets namhafter Verlage wie Junfermann, Klett-Cotta und Schattauer. Hier darf nach Herzenslust gestöbert, geblättert und entdeckt werden. Kaufen kann man die Bücher allerdings nicht, denn am Ende des CoachCamps werden sie verlost. Für jedes Buch, das man gerne gewinnen möchte, kann man einen Zettel mit dem eigenen Namen in den jeweiligen Lostopf werfen. So hat jede*r die Chance, genau das Buch mit nach Hause zu nehmen, das das eigene Interesse geweckt haben.

Und auch die Goodie-Bags, zu denen viele Teilnehmende selbst etwas beisteuern, sind Ausdruck dieses Miteinanders.

Was mir daran besonders gefällt: Hier wird Wertschätzung ganz praktisch gelebt. Ein kleines Café bekommt die Möglichkeit, eine ganze Veranstaltung zu verpflegen, Verlage unterstützen den fachlichen Austausch und die Teilnehmenden tragen selbst dazu bei, anderen eine Freude zu machen. Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, wie werteorientiertes Handeln aussehen kann.

Beim CoachCamp hat jede*r etwas zu geben – auch, wer zum ersten Mal da ist.

Meine zwei Besuche: 2025 und 2026

Ende 2024 hatte ich große Lust, mal wieder über den eigenen Tellerrand zu schauen, neue Menschen kennenzulernen und mich fachlich inspirieren zu lassen. Mein Mann kam immer wieder begeistert von seinen beruflichen Veranstaltungen nach Hause, mit spannenden Geschichten und neuen Ideen im Gepäck. Und ich merkte, dass ich ein bisschen neidisch wurde. Ich wollte auch mal wieder raus, mich mit Gleichgesinnten austauschen und neue Impulse bekommen. Also machte ich mich auf die Suche, entdeckte das CoachCamp Köln und meldete mich kurzentschlossen an.

2025: Einfach mal machen!

Nach dem gemeinsamen Frühstück begann die Vorstellungsrunde in einem lichtdurchfluteten Raum. Jede*r von uns stellte sich mit drei Hashtags vor, die anschließend auch auf den Namensschildern standen. Ich fand diese Idee großartig. Drei Begriffe, die etwas über einen Menschen erzählen, neugierig machen und sofort Anknüpfungspunkte für Gespräche schaffen. Ganz ohne langatmige Vorstellungsrunden.

Meine drei Hashtags waren: #buddhistische Psychologie #Kölner Karneval #Es gibt ein Leben vor dem Tod.

Am zweiten Tag passierte dann etwas, womit ich selbst nicht gerechnet hatte: Ich bot eine eigene Session an. Ganz spontan, ohne Vorbereitung, ohne ausgearbeitetes Konzept und ohne Präsentation. Ich hatte lediglich eine Methode aus der buddhistischen Psychologie im Kopf, mit der sich konflikthafte Beziehungen aus einer anderen Perspektive betrachten lassen. Im Gespräch mit anderen Teilnehmenden kam die Idee auf, diese Methode doch einfach vorzustellen. Sie ermutigten mich, und irgendwann dachte ich: Warum eigentlich nicht?

Also stellte ich am zweiten Tag meine Idee bei der Sessionplanung vor, bekam einen Raum und 45 Minuten Zeit. Gemeinsam probierten wir die achtsamkeitsbasierte Fallsupervision aus, tauschten unsere Wahrnehmungen aus und erkundeten neue Perspektiven. Die Zeit war knapp, eigentlich hätte die Methode mehr Raum gebraucht. Trotzdem war es eine bereichernde Erfahrung, etwas aus meiner eigenen Arbeit einzubringen, gemeinsam mit anderen auszuprobieren und sehr differenzierte Rückmeldungen zu bekommen. Ohne den Anspruch, einen bis ins letzte Detail ausgearbeiteten Workshop präsentieren zu müssen.

Und das war eine ziemlich befreiende Erfahrung!

Flipchart mit der Überschrift Do’s & Don’ts: Nutze die Zeit aus, gehe auf Fragen ein, niemand ist perfekt, mach es handfest, kein Werbeblock, aber halte Visitenkarten bereit, nutze Visualisierung, du darfst jederzeit raus- und reingehen, am Ende gibt es Applaus.
Am Ende gibt es Applaus: die Do’s & Dont’s des CoachCamps

Und auch nach dem CoachCamp riss der Kontakt nicht ab. Mit einigen Kolleg*innen blieb ich in Verbindung, wir verfolgten gegenseitig unsere Entwicklungen und Projekte, und bei zwei weiteren Meetups gab es Gelegenheit zum Wiedersehen.

2026: Ein bisschen wie Heimkommen

Als ich ein Jahr später wieder zum CoachCamp kam, freute ich mich auf viele vertraute Gesichter. Und tatsächlich fühlte sich das Wiedersehen ein bisschen an wie ein Familientreffen.

Auch meine drei Hashtags hatten sich leicht verändert. Kölner Karneval und buddhistische Psychologie waren geblieben, neu hinzugekommen war die Biografiearbeit. Ein Thema, das mich inzwischen intensiv beschäftigte und das ich auch mit zum CoachCamp brachte.

Die Gastgeberinnen des CoachCamps Köln halten Hashtag-Schilder vor einer Pinnwand, darüber goldene Ballons mit der Zahl 10. Die Hashtags sind das große Wir und Wir sind bunt.
Annette Bauer und Anne Werner, die Gastgeberinnen, kurz vor der Sessionplanung

Diesmal hatte ich gleich drei Sessions im Gepäck. Zwei davon drehten sich um Lebenswerk.ai, unsere App, mit der Menschen ihre Lebensgeschichte erzählen und daraus eine Biografie entstehen lassen können. Die dritte Session entstand wieder ganz spontan: „Energie aktivieren mit Impulsen aus der buddhistischen Psychologie“.

Besonders gespannt war ich auf die Rückmeldungen zu Lebenswerk.ai. Ich hatte die App zum Ausprobieren mitgebracht und wollte wissen, welche Gedanken und Fragen sie bei anderen Coaches und Berater*innen auslösen würde.

Und davon gab es reichlich. Wir diskutierten über die Möglichkeiten und Grenzen künstlicher Intelligenz in der Biografiearbeit, über ethische Fragen und darüber, wie Menschen beim Erzählen ihrer Lebensgeschichte gut begleitet werden können. Denn wer sich mit seiner Vergangenheit beschäftigt, begegnet möglicherweise auch schmerzhaften Erinnerungen, die behutsam aufgefangen werden müssen.

Die Gespräche waren für mich unglaublich bereichernd. Die Teilnehmenden brachten andere Sichtweisen ein, stellten Fragen, auf die ich selbst noch nicht gekommen war, und regten mich an, manches neu zu durchdenken. Einige dieser Impulse flossen sogar unmittelbar in die technische Weiterentwicklung der App ein.

Auch eine weitere Idee nahm dort konkretere Formen an: Erinnerungen an einen verstorbenen Menschen aus den Erzählungen von Angehörigen und Freund*innen zusammenzutragen und daraus ein gemeinsames Buch entstehen zu lassen. Im Austausch wurde aus dieser zunächst noch vagen Vorstellung nach und nach das Konzept für Lebensgeschichten.ai.

Was mich an diesen Begegnungen besonders begeistert hat, war die Neugier, mit der die anderen meinen Ideen begegneten. Ihre Fragen und Gedanken haben mich noch lange nach dem CoachCamp beschäftigt. Mein „kreativer Autopilot“, wie ich ihn gerne nenne, arbeitete einfach weiter. Während ich meinen Alltag lebte, verbanden sich Gedanken, entstanden neue Zusammenhänge und entwickelten sich Ideen weiter, ohne dass ich mich dafür bewusst an den Schreibtisch setzen musste. So ist schließlich die heutige Version von Lebensgeschichten.ai entstanden.

Genau diese Offenheit schätze ich am CoachCamp so sehr. Ideen dürfen noch unfertig sein. Man kann sie zeigen, hinterfragen, gemeinsam weiterspinnen und auch wieder verwerfen. Manchmal braucht eine Idee eben weniger Zeit am eigenen Schreibtisch und mehr Menschen, die mitdenken.

Was ich fachlich mitgenommen habe

Bei beiden CoachCamps habe ich Methoden kennengelernt, die mir vorher noch nie begegnet waren, und neue Perspektiven auf vertraute Themen entdeckt. Ein paar dieser Erfahrungen möchte ich hier mit dir teilen.

Neue Perspektiven durch Aufstellungen

Aufstellungen als Methode waren mir natürlich schon länger bekannt, aber selbst daran teilgenommen hatte ich bis dahin noch nie. Beim CoachCamp 2025 bekam ich gleich zweimal Gelegenheit dazu: bei einer klassischen und einer verdeckten Aufstellung.

In der klassischen Aufstellung beschäftigten wir uns mit dem vor uns liegenden Jahr. Wir stellten unter anderem das Jahr 2025, Transformation, Coach, Coachee und Coaching auf. Besonders spannend fand ich, dass es dabei gar nicht um eine konkrete persönliche Situation ging. Mir war vorher nicht bewusst gewesen, dass sich auch abstrakte Begriffe und Themen auf diese Weise verkörpern und in Beziehung zueinander setzen lassen. Das eröffnete mir einen neuen Zugang, um Zusammenhänge zu erkunden und unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen.

Bei der verdeckten Aufstellung war das Vorgehen noch einmal ganz anders. Hier weiß nur die Person, die das Anliegen mitbringt, wofür die einzelnen Positionen oder Stellvertreter*innen stehen. Alle anderen lassen sich auf den Prozess ein, ohne den eigentlichen Hintergrund zu kennen. Gerade diesen Unterschied zur klassischen Aufstellung fand ich interessant: Wie verändert sich unsere Wahrnehmung, wenn wir nicht wissen, worum es eigentlich geht?

Beide Erfahrungen haben meine Neugier auf die Methode geweckt und mir gezeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, sich einem Thema zu nähern.

Eine Wanderkarte voller Möglichkeiten

2026 stellte Antonia von Coachingcard by Niko eine neu gestaltete Wanderkarte vor, auf der unterschiedliche Methoden, Konzepte und Ansätze aus Coaching und Therapie als Landschaft dargestellt waren.

Zunächst sollten wir uns auf dieser Karte einen Platz suchen, der uns besonders ansprach. Anschließend erkundeten wir zu zweit oder zu dritt, wie unsere gewählten Standorte miteinander in Beziehung standen.

Eine Teilnehmerin zog es „hinter den Horizont“, eine andere entschied sich für das Tetralemma, und ich fand meinen Platz bei „Berge versetzen“.

Diese Wahl passte erstaunlich gut zu einer Frage, die mich in diesem Jahr intensiv beschäftigt: Wie kann ich meine Energie aktivieren, schützen und bewusst einsetzen, um präsenter zu sein, meine Vorhaben mit Freude zu verfolgen und mich lebendig zu fühlen, ohne daraus gleich das nächste Selbstoptimierungsprojekt zu machen?

Neben der Beschäftigung mit meinem eigenen Standort entdeckte ich auf der Wanderkarte auch etwas Neues: das Tetralemma. Seine Wurzeln liegen in der indischen Logik und buddhistischen Philosophie. Heute wird das Modell unter anderem in der systemischen Arbeit genutzt, um festgefahrene Entweder-oder-Entscheidungen aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dabei erweitert es die beiden ursprünglichen Möglichkeiten um weitere Positionen: beides, keines von beidem und sogar eine Perspektive jenseits all dieser Alternativen.

Für meine Arbeit finde ich die Idee sehr hilfreich. Denn wie oft glauben wir, uns zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden zu müssen, obwohl es vielleicht noch ganz andere Wege gibt?

Gemeinsam denken, ohne gleich zu bewerten

Neugierig gemacht hat mich auch die Session von Annette Bauer, in der sie die 5-20-5-Methode aus ihrer Arbeit mit Erfolgsteams nach Barbara Sher vorstellte.

Das Prinzip ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Eine Person schildert fünf Minuten lang ihr Anliegen. Anschließend tauscht sich die Gruppe zwanzig Minuten darüber aus, teilt Gedanken, Wahrnehmungen, Fragen und Ideen, während die Person, um die es geht, zunächst einfach nur zuhört. Erst in den letzten fünf Minuten kommt sie wieder zu Wort und kann erzählen, was sie aus dem Gehörten für sich mitnimmt.

Dieses Vorgehen erinnerte mich an die achtsamkeitsbasierte Fallsupervision aus der kontemplativen Psychologie, mit der ich selbst arbeite. Natürlich unterscheiden sich die beiden Methoden, doch ich entdecke darin eine ähnliche Haltung: Wir nehmen uns Zeit, hören einander zu und lassen unterschiedliche Perspektiven zu, ohne gleich eine fertige Lösung finden zu müssen. Gerade wenn wir unseren eigenen Gedanken einmal nicht sofort folgen und nicht auf alles eine Antwort haben müssen, kann Raum für neue Einsichten entstehen.

Auch die Session der Kunsttherapeutin Anna Paga hat mir einen wertvollen Impuls gegeben. Sie hat mich darin bestärkt, kreativen Ausdrucksformen in meiner eigenen Arbeit noch mehr Raum zu geben. Schließlich lässt sich nicht alles, was uns innerlich bewegt, allein mit Worten erfassen.

Farbfläschchen in verschiedenen Farben, davor zwei Blätter mit grün-gelben Farbverläufen: Erfahrungen beim CoachCamp Köln
Papier und Farbe: Auch Kreatives hat beim CoachCamp seinen Platz

Wenn ich auf diese unterschiedlichen Erfahrungen zurückblicke, ist es vor allem die Neugier, die sie für mich verbindet. Die Freude daran, etwas Unbekanntes auszuprobieren, vertraute Ansätze aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und sich von den Erfahrungen anderer anregen zu lassen. Mit genau dieser Neugier bin ich zum CoachCamp gefahren. Und mit vielen neuen Fragen, Ideen und einer großen Lust aufs Weiterdenken wieder nach Hause gekommen.

Wo das CoachCamp an Grenzen stößt – und für wen es sich nicht lohnt

Eine Rezension ohne Kritik klingt schnell nach Werbung. Ich kann es dennoch nicht anders sagen: Genervt, enttäuscht oder angestrengt hat mich bei beiden Besuchen nichts. Nach zwei langen, intensiven Tagen bin ich beide Male beseelt nach Hause gefahren, genährt von den Begegnungen und mit erstaunlich viel neuer Energie.

Trotzdem hat auch das CoachCamp seine Grenzen, und die sind gewissermaßen der Preis für dieses offene Format.

Da wären zum Beispiel die 45 Minuten pro Session. Für manche Themen ist das genau richtig, für andere viel zu kurz. Meine fallbasierte Supervision hätte durchaus mehr Zeit vertragen. Gerade wenn es darum geht, sich auf einen Prozess einzulassen, gemeinsam zu reflektieren und neue Perspektiven zu entwickeln, sind drei Viertelstunden schnell vorbei.

Eine weitere Herausforderung ist die Qual der Wahl. Bis zu fünf Sessions finden gleichzeitig statt, und oft hätte ich am liebsten mehrere davon besucht. Während ich mich für ein Thema entscheide, entgehen mir zwangsläufig andere spannende Angebote.

Um dieses Dilemma etwas abzumildern, gilt beim CoachCamp das Prinzip der offenen Tür: Man darf eine Session jederzeit verlassen und in eine andere wechseln. Die Organisatorinnen sprechen das gleich zu Beginn an und sensibilisieren auf sehr wertschätzende Weise dafür, dass man einen solchen Wechsel als Sessionleiter*in nicht persönlich nehmen sollte. Schließlich kann es viele Gründe geben, warum jemand den Raum verlässt, die mit der Person selbst zu tun haben und nichts über die Qualität der Session aussagen.

Auch damit muss man sich wohlfühlen können. Wer es als respektlos empfindet, wenn Teilnehmende während eines Workshops aufstehen und gehen, wird mit diesem Prinzip möglicherweise seine Schwierigkeiten haben. Ich persönlich schätze die Freiheit, die darin steckt, und finde es schön, wie selbstverständlich und zugleich achtsam beim CoachCamp damit umgegangen wird.

Besonders deutlich wurde mir die Qual der Wahl 2026, als ich selbst drei Sessions anbot. Denn je mehr ich von meiner eigenen Arbeit zeige, desto weniger Zeit bleibt mir, bei anderen etwas Neues kennenzulernen. Ein bisschen schade ist das schon. Gleichzeitig macht gerade die Bereitschaft, das eigene Wissen und die eigenen Erfahrungen zu teilen, den besonderen Reiz des CoachCamps aus.

Auch die fehlende Planbarkeit ist sicher nicht jedermanns Sache. Wer vorher genau wissen möchte, welche Vorträge stattfinden, wer sie hält und welche fachlichen Inhalte ihn erwarten, wird sich auf einem klassischen Kongress vermutlich wohler fühlen. Beim CoachCamp entsteht das Programm erst vor Ort. Man sollte also Freude daran haben, sich auf Unbekanntes einzulassen und sich überraschen zu lassen.

Und ob das Ankommen allen so leichtfällt wie mir, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich wurde schließlich schon vor der Eingangstür freundlich aufgenommen. Was ich aber bei beiden Besuchen erlebt habe, war eine bemerkenswerte Offenheit, in der auch neue Teilnehmende ganz selbstverständlich ihren Platz fanden.

Für wen lohnt sich das CoachCamp und für wen weniger?

Für wen lohnt sich das CoachCamp?

Aus meiner Sicht lohnt sich das CoachCamp besonders für Menschen, die

  • neugierig auf neue Methoden und Perspektiven sind und gerne auch einmal etwas Unbekanntes ausprobieren,
  • eigene Ideen mitbringen, die noch nicht ganz ausgereift sind, und Lust haben, sie gemeinsam mit anderen weiterzuentwickeln,
  • Erfahrungen und Methoden aus ihrer eigenen Arbeit in einem offenen, wertschätzenden Rahmen teilen möchten,
  • sich mit Kolleg*innen austauschen, neue Kontakte knüpfen und frische Inspiration mit nach Hause nehmen wollen.

Weniger geeignet ist das CoachCamp für Menschen, die ein festes Programm mit bekannten Referent*innen und vorab festgelegten Inhalten bevorzugen.

Was ich besonders schön finde: Beim CoachCamp darfst du selbst entscheiden, wie du dich einbringen möchtest. Mit einer eigenen Session, mit Fragen und Gedanken im gemeinsamen Austausch oder einfach durch aufmerksames Zuhören. Es gibt viele Möglichkeiten, voneinander zu lernen und etwas zum Gelingen dieser beiden Tage beizutragen.

Mein Fazit: Warum ich 2027 wieder dabei bin

Mein Ticket für das CoachCamp Köln 2027 am 29. und 30. Januar habe ich längst in der Tasche. Ich freue mich darauf, ins Bürgerhaus Stollwerck zurückzukehren. Auf vertraute Gesichter und neue Begegnungen, auf spannende Methoden und überraschende Perspektiven. Und darauf, wieder etwas aus meiner eigenen Arbeit einzubringen, das durch die Fragen und Ideen anderer vielleicht noch einmal eine ganz neue Richtung nimmt.

Was mich am CoachCamp so begeistert, ist vor allem die Haltung, mit der die Menschen einander begegnen: neugierig, offen und einladend. Jede*r bringt etwas mit, und im gemeinsamen Austausch entsteht oft etwas, das vorher niemand absehen konnte. Wie passend, dass die Veranstalterinnen ihr großes Anliegen mit einem Hashtag auf den Punkt bringen: #dasgroßeWIR.

Wenn ich daran denke, wie ich im Januar 2025 zum ersten Mal vor dem Stollwerck stand, neugierig und ein bisschen aufgeregt, muss ich lächeln. Damals wusste ich noch nicht einmal so richtig, was ein Barcamp ist. Heute weiß ich: Ich komme wieder.

Nur welche drei Hashtags 2027 auf meinem Namensschild stehen werden, weiß ich noch nicht. Zwei haben mich bisher durch beide CoachCamps begleitet. Vielleicht bleibt das so. Vielleicht kommt etwas ganz Neues hinzu.

Und du? Mit welchen drei Hashtags würdest du dich heute vorstellen?

Wenn du selbst einmal beim CoachCamp dabei sein möchtest, findest du alle Informationen und Tickets auf der Website des CoachCamps.

Häufige Fragen zum CoachCamp Köln

Was ist das CoachCamp Köln?

Das CoachCamp Köln ist ein Barcamp für Coaches, Berater*innen und Trainer*innen – also ein Weiterbildungscamp, bei dem das Programm erst vor Ort entsteht. Wenn du eine Idee, eine Methode oder ein Thema mitbringen möchtest, kannst du es morgens in der Sessionplanung vorstellen. Je nach Interesse der anderen Teilnehmenden bekommt dein Angebot einen Platz im Programm. Ich war 2025 und 2026 dabei. 2027 findet das CoachCamp zum 11. Mal statt.

Wann und wo findet das CoachCamp Köln 2027 statt?

Am Freitag, dem 29., und Samstag, dem 30. Januar 2027, jeweils von 9:30 bis 18 Uhr im Bürgerhaus Stollwerck, Dreikönigenstraße 23, 50678 Köln. Tickets gibt es über die Website des CoachCamps.

Was ist der Unterschied zwischen einem Barcamp und einem Kongress?

Bei einem klassischen Kongress steht das Programm im Voraus fest. Du weißt, welche Themen dich erwarten und wer die Vorträge hält. Bei einem Barcamp entsteht das Programm dagegen erst vor Ort. Wenn du eine Idee, eine Methode oder ein Thema mitbringst, kannst du es bei der Sessionplanung vorstellen und bei genügend Interesse eine eigene Session anbieten. Ich habe während meiner fast zwanzigjährigen Tätigkeit in Forschung und Lehre viele wissenschaftliche Kongresse besucht und sehr geschätzt. Das CoachCamp erlebe ich als eine andere, ebenso bereichernde Form des fachlichen Austauschs, bei der alle auf ihre Weise etwas beitragen können.

Für wen lohnt sich das CoachCamp Köln?

Aus meiner Sicht lohnt sich das CoachCamp Köln für dich, wenn du neugierig auf neue Methoden und Perspektiven bist, eigene Ideen mit anderen weiterentwickeln oder etwas aus deiner Arbeit teilen möchtest. Auch wenn du einfach Lust auf fachlichen Austausch, neue Kontakte und frische Inspiration hast, bist du hier gut aufgehoben. Wenn du dagegen ein festes Programm mit bekannten Referent*innen und kuratierten Inhalten bevorzugst, ist ein klassischer Kongress vermutlich die bessere Wahl.

Muss ich beim CoachCamp eine eigene Session anbieten?

Nein, überhaupt nicht. Du kannst auch einfach teilnehmen, neue Methoden kennenlernen, anderen zuhören und dich inspirieren lassen. Niemand erwartet, dass du selbst eine Session gestaltest.

Wenn du Lust hast, kannst du aber auch ganz spontan etwas anbieten. Ich habe das 2025 am zweiten Tag getan, ohne irgendetwas vorbereitet zu haben.

Unabhängig davon finde ich es schön, sich vor dem CoachCamp zwei Fragen zu stellen: Was möchte ich hier mitnehmen? Und was kann ich selbst beitragen? Denn das Format lebt vom gegenseitigen Geben und Nehmen. Und dazu gehört viel mehr als eine eigene Session: eine interessierte Frage, eine persönliche Erfahrung oder ein Gedanke, der jemand anderem eine neue Perspektive eröffnet.


Dieser Artikel ist mein Beitrag zu den BlogWochen 2026 zum Thema „Ein Mensch oder ein Projekt“, weil hinter dem CoachCamp zwei Menschen stehen, die mit viel Herzblut etwas Besonderes schaffen.

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