Wie ich arbeite: Radical Belonging als Haltung und Praxis
Ich erinnere mich an eine Zeit direkt nach meinem Studium, in der ich dachte, ich wüsste genau, was zu tun ist. Nach einer einschneidenden Erfahrung suchte ich mir therapeutische Unterstützung. Nicht, weil ich innerlich davon überzeugt war, sondern weil ich auf Grund meines Studiums wusste, dass eine solche Erfahrung psychotherapeutisch aufgearbeitet werden musste.
Ich analysierte, redete, reflektierte. Aus meiner Sicht machte ich alles richtig, wie im Lehrbuch. Und dennoch blieb ein Teil von mir wie eingefroren.
Mein erklärtes Therapieziel war, die Erfahrung loszuwerden und ihr keinen weiteren Einfluss auf mein Leben zu erlauben. So als ließe sich Schmerz aus dem Leben herausoperieren.
Ich funktionierte. Zuverlässig, leistungsfähig, angepasst. Und dennoch: Das Leben verlor an Farbe und Geschmack. Mein emotionales Spektrum wurde flacher und ich verlor immer mehr den Kontakt zu mir selbst.
Erst viel später verstand ich, dass Heilung nicht bedeutet, etwas zu reparieren oder zu korrigieren. Sie beginnt dort, wo wir aufhören zu fliehen und den Mut finden mit dem zu bleiben, was ist. Inmitten der Ungewissheit, inmitten der Angst. Oder, wie der Molekularbiologe und Achtsamkeitslehrer Jon Kabat-Zinn es nennt, inmitten der vollen Katastrophe des Lebens.
Der Körper als Kompass: Warum innere Erfahrung der Ausgangspunkt für Heilung ist
Nach dem Studium arbeitete ich an der Uni Köln am Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie. Ich tauchte noch tiefer in die menschliche Psyche ein, las unzählige Bücher, lehrte mehr als 10 Jahre lang Psychologie an verschiedenen Hochschulen und beriet Menschen in unterschiedlichen Kontexten. Schon bald wusste ich sehr viel über Resilienz, neuronale Prozesse und über die Wechselwirkung von Gedanken, Gefühlen und Verhalten.
Doch ich spürte gleichzeitig, dass ein wesentlicher Teil des Menschseins damit nicht erreicht wurde.
Die Ausbildung in kontemplativer Psychologie hat mir gezeigt, wo dieser fehlende Teil liegt: Im unmittelbaren Erleben meiner Berührbarkeit, im Spüren meiner Verletzlichkeit, im Halten meiner ureigenen Erfahrung. Die kontemplative Psychologie lädt dazu ein, deine Geschichte nicht nur analysieren, sondern mit ihr in Kontakt zu treten, ohne sie sofort verändern zu wollen. In dieser Form der Arbeit richten wir die Aufmerksamkeit weniger darauf, warum etwas da ist, sondern darauf, wie es sich zeigt: als Druck im Brustkorb, als Enge im Hals, als feine Unruhe im Bauch, als diffuse Anspannung, deren Bedeutung noch nicht klar ist. Du darfst dir erlauben, das eigene Erleben ernst zu nehmen, selbst wenn es im ersten Augenblick wenig Sinn ergibt und der schmerzenden Stelle in dir mit einer freundlichen, mitfühlenden Aufmerksamkeit zu begegnen.
Der vietnameische Mönch Thích Nhất Hạnh hat dieses Prinzip in einen Satz gefasst, der in seiner Klarheit kaum zu übertreffen ist:
Wenn Achtsamkeit etwas Schönes berührt, offenbart sie dessen Schönheit. Wenn sie etwas Schmerzvolles berührt, wandelt sie es um und heilt es.
Thích Nhất Hạnh
Dieser Satz beschreibt keine magische Verwandlung, sondern einen Prozess, den ich in der kontemplativen Arbeit immer wieder erlebe. Sobald wir unsere Erfahrung berühren – nicht flüchtig, sondern wahrhaftig –, verändert sie sich. Nicht abrupt und nicht immer sofort, aber sie verliert ihre Härte. Sie wird verstehbarer und damit weniger bedrohlich.
An dieser Stelle berührt die kontemplative Psychologie das, was im Focusing als „felt sense“ bezeichnet wird. Damit ist jene körperlich-emotionale Qualität gemeint, die noch nicht vollständig ausformuliert ist, aber einen deutlichen Hinweis darauf gibt, worum es im Inneren eigentlich geht. Dieses vorsichtige Hinspüren schafft einen Raum, in dem sich innere Zusammenhänge zeigen können, ohne dass wir sie erzwingen.
In meinem eigenen Prozess hat genau diese Form der Zuwendung vieles verändert. Ich begann zu verstehen, dass nicht die Analyse entlastet, sondern die Beziehung zu meiner eigenen Erfahrung. Die Bereitschaft, hinzuhören, statt zu vermeiden, und offen bei mir zu bleiben, statt mich innerlich zu verlassen.
Und in diesem Prozess wurde mir klar, das ich Menschen dabei begleiten will, genau das zu tun.
So entstand Radical Belonging – eine Haltung und eine Praxis, die darauf zielt, das Leben nicht zu kontrollieren, sondern zu bewohnen.
Was ich heute in der Arbeit mit Klient*innen erlebe, bestätigt diesen Ansatz immer wieder. Sobald Menschen einen Zugang zu ihrer unmittelbaren Erfahrung finden, entsteht eine Form von Klarheit, die nicht produziert werden muss. Sie zeigt sich von selbst, wenn der innere Widerstand nachlässt. Und aus dieser Klarheit heraus entwickelt sich oft eine innere Ruhe, die nicht von äußeren Umständen abhängt, sondern aus einer tieferen Verbindung zu sich selbst entsteht.
Was Radical Belonging bedeutet
„Radical“ kommt von radix, der Wurzel, und „Belonging“ bedeutet Zugehörigkeit. Radical Belonging ist für mich eine Haltung, die dich daran erinnert, dass du bereits dazugehört. Nicht erst, wenn du etwas erreicht hast oder etwas „geworden“ bist, sondern jetzt, in diesem Moment. Auch, wenn du dich fremd in deinem eigenen Leben fühlst. Irgendwie anders als alle anderen. Oder wenn du das Gefühl hast, das mit dir etwas nicht stimmt
In unserer Zusammenarbeit begegne ich dir mit einem gütigen Blick, damit du lernst, diesen Blick nach und nach auch auf dich selbst zu richten. Dabei nutze ich verschiedene Methoden, aber immer aus der Haltung heraus, dass nicht die Methode oder das Konzept im Mittelpunkt steht, sondern deine Erfahrung im jeweiligen Augenblick. Was wir tun, ergibt sich aus dem, was es in diesem Moment braucht, damit du in Kontakt mit dir kommst.
Diese Haltung bildet den Rahmen für meine Arbeit. Ich begleite Menschen mit unerschütterlicher Zuversicht, Vertrauen in ihre innere Weisheit und der Bereitschaft, mitfühlend mit ihnen in ihren Abgrund zu schauen. Dorthin, wo Schmerz, Scham oder Haltlosigkeit liegen können und wo gleichzeitig die Möglichkeit entsteht, sich selbst wieder zu finden. Es geht darum, diesen inneren Raum gemeinsam auszuhalten, ohne zu drängen und ohne auszuweichen, bis etwas in ihnen beginnen kann, sich zu sortieren, zu bewegen und zu beruhigen.
Viele kommen in Phasen, in denen etwas ins Wanken geraten ist. Lebenskrisen, die drohen, ihnen den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Muster, die fest geworden sind. Konflikte, die sich ohne Spiegelung kaum entwirren lassen. Und manchmal ist es das diffuse Gefühl, den Kontakt zu sich selbst verloren zu haben, und der Sehnsucht nach einem Ort der Annahme und Akzeptanz.
Gerade in solchen Momenten wird Beziehung bedeutsam. Nicht im Sinne von Beratung, sondern im Sinne eines Gegenübers, das bleibt, während sich etwas zeigt, das schmerzvoll oder schambehaftet ist.
Manchmal gehen wir uns selbst verloren. Dann brauchen wir den Blick des Anderen. Den hütenden, rettenden, beschwörenden Blick, der sagt: Ich sehe dich noch. Ich sehe die Schönheit, an die du dich nicht mehr erinnerst. Ich sehe dein Scheitern und keinerlei Makel darin. Ich sehe dein Werden, dort, wo du nur noch den erstickten Kern bedauerst.
Giannina Wedde, Herzmitte
Für mich beschreibt dieser Text etwas sehr Wesentliches. Wir finden oft erst dann wieder Zugang zu uns, wenn jemand uns auf eine Weise sieht, die nicht fordert, urteilt oder drängt. Ein Blick, der nicht über etwas hinweggeht, aber auch nichts unnötig vergrößert oder aufbläht. Ein Gegenüber, das da ist, damit wir uns selbst wieder erreichen können.
Genau hier setzt Radical Belonging an: als eine Ausdrucksform dieses Blicks – von außen und gleichzeitig nach innen. Es erinnert uns daran, dass wir dazugehören, auch wenn wir das im eigenen Erleben zeitweise nicht spüren können. Einfach aufgrund unseres Menschseins. Diese Zugehörigkeit ist kein Zustand, den man „erreicht“, sondern etwas, das wieder freigelegt wird, wenn wir uns der eigenen Erfahrung mit Aufmerksamkeit, Mitgefühl und Würde nähern.
In dieser Haltung vertraue ich darauf, dass Menschen Zugang zu ihrer eigenen inneren Weisheit finden können, wenn sie dafür den Raum haben. Manchmal geschieht das zaghaft, manchmal stockend, manchmal überraschend klar. Und oft zeigt sich erst im gemeinsamen Erkunden, was eine Person wirklich bewegt.
Die Methoden, die ich nutze, unterstützen diesen Prozess, aber sie bestimmen ihn nicht. Sie sind Möglichkeiten, die sich anbieten, wenn der Moment es erlaubt, nicht Mechanismen, die von außen „angewendet“ werden. Die Richtung kommt nicht aus der Technik, sondern aus dem, was im Inneren spürbar wird. Für mich bedeutet Radical Belonging deshalb vor allem eines: bei der eigenen Erfahrung zu bleiben, auch wenn sie widersprüchlich ist. Und Menschen darin zu begleiten, dasselbe zu tun. Schritt für Schritt, ohne Druck, und mit der nötigen Klarheit, die den Prozess hält.
Es ist dieser Grundgedanke, der meine Arbeit leitet: Nicht das Funktionieren steht im Mittelpunkt, sondern die Beziehung zur eigenen Lebendigkeit. Alles Weitere ergibt sich daraus.
Warum Zugehörigkeit Mut braucht
Leben bedeutet, in Beziehung zu sein – mit dir selbst, mit anderen und mit der Welt, die dich umgibt. Neurobiologisch sind wir auf Verbindung angelegt. Unser Nervensystem sucht Resonanz, und unser Gehirn reagiert auf Einsamkeit ähnlich wie auf körperlichen Schmerz. Studien zeigen immer wieder, dass Menschen, die enge und unterstützende Beziehungen pflegen, glücklicher sind und länger leben. Fehlt diese Form der Verbundenheit, beginnen wir zu verkümmern. Der Schmerz sozialer Isolation ist real; er aktiviert dieselben neuronalen Bahnen wie eine körperliche Verletzung.
Auch das Erleben von Stress hat häufig mit Beziehung zu tun. Wenn du mit anderen im Konflikt bist oder innerlich mit dir selbst ringen, wenn du dich vergleichst, dich abwertest oder an dir zweifelst, dann engt sich dein System ein. Du verlierst den Zugang zu deinen inneren Ressourcen und empfindest das Leben als schwer. Diese innere Enge entsteht nicht nur durch äußere Anforderungen, sondern oft durch das Gefühl, mit dem eigenen Erleben alleine zu sein.
Radical Belonging ist eine Antwort auf diese Form der Entfremdung. Es lädt dazu ein, wieder Kontakt aufzunehmen – zum Körper, zum Atem, zum gegenwärtigen Moment. Nicht um etwas zu kontrollieren, zu korrigieren oder zu optimieren, sondern um dich selbst wieder wahrzunehmen und zu bezeugen. Zugehörigkeit beginnt dort, wo du dich traust, dazubleiben, auch wenn etwas in dir ausweichen möchte. Sie braucht Mut, weil sie dich deiner eigenen Verletzlichkeit näherbringt. Aber genau dort entsteht der Raum, in dem du dich wieder mit dir selbst verbinden kannst. Und von dort aus gelingt auch (wieder oder erstmalig) die Verbundenheit mit anderen.
Wie Radical Belonging in der Praxis erfahrbar wird
Zugehörigkeit bleibt abstrakt, wenn sie nicht im eigenen Erleben verankert wird. In meiner Arbeit entsteht sie nicht durch eine einzelne Methode, sondern durch eine innere Haltung, die sich in verschiedenen Formen zeigt: Achtsamkeit, Freundlichkeit, Mitgefühl und die Bereitschaft, dem eigenen Erleben Raum zu geben. Radical Belonging wird dann spürbar, wenn diese Qualitäten zusammenwirken und einen Rahmen schaffen, in dem du dich selbst klarer wahrnehmen und auf dieser Grundlage hilfreichere Entscheidungen treffen kannst.
Ein wichtiger Teil dieser Praxis ist die Fähigkeit, deinen eigenen Körper als Informationsquelle ernst zu nehmen. Körperwahrnehmung ist eine Form der Selbstzuwendung. Sie hilft dabei, früh wahrzunehmen, was sich in dir regt, bevor es sich in Gedanken oder Handlungen verfestigt. Viele Menschen merken erst spät, dass sie erschöpft, angespannt oder überfordert sind. Wenn du lernst, die Signale deines Körpers wieder wahrzunehmen, entsteht eine Art innerer Orientierung, die dich emotional stabiler macht.
Mitgefühl – sowohl mit dir selbst als auch mit anderen – ist ein weiterer zentraler Bestandteil. Damit ist eine freundliche Haltung dem eigenen Erleben gegenüber gemeint. Eine Haltung, die anerkennt, dass Schmerz, Müdigkeit oder Zweifel nicht wegtrainiert oder weggelächelt werden müssen, sondern gesehen und gehalten werden wollen. Diese Art der Freundlichkeit entschärft die innere Härte und öffnet einen Raum, in dem du dich nicht länger gegen dich selbst richtest.
Auch das Wissen um die Funktionsweise des Nervensystems spielt eine Rolle. Wenn du verstehst, warum du in bestimmten Situationen mit Enge, Rückzug oder Übererregung reagierst, musst du diese Reaktionen nicht mehr als persönliches Versagen interpretieren. Du erkennst, dass es physiologische Muster sind, die sich verändern lassen, wenn du ihnen mit Präsenz begegnest. Die Fähigkeit zur Emotionsregulation entsteht dann nicht aus Kontrolle, sondern aus Kontakt.
In dieser Praxis hat der Geist die Funktion eines ruhigen Ankers. Wenn du lernst, deine Aufmerksamkeit bewusst zu lenken, entsteht eine kleine, aber entscheidende Distanz zwischen dir und dem, was in dir auftaucht. Diese Distanz ermöglicht es dir, dich nicht vollständig von Gedanken oder Gefühlen mitreißen zu lassen, sondern innerlich bei dir zu bleiben, während sie sich zeigen.
Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.
Viktor Frankl
So wird Radical Belonging Schritt für Schritt erfahrbar: durch Achtsamkeit im Körper, eine freundliche Haltung gegenüber deinem Erleben, das Wissen um innere physiologische Vorgänge und die Fähigkeit, im eigenen Geist einen sicheren Ort zu finden. Es sind keine spektakulären Schritte, sondern stetig wiederkehrende Bewegungen des Hinwendens. Sie schaffen einen inneren Raum, in dem du dich selbst nicht verlierst, sondern zunehmend bei dir ankommst.
In meiner Praxis für kontemplative Psychologie findest du einen sicheren Raum, in dem du aufatmen, durchatmen, auftanken und wachsen kannst. Einen Raum, in dem du deine inneren Ressourcen entdeckst und lernst, dich selbst anzunehmen. Damit du mutig und unabhängiger von den Meinungen anderer deinen eigenen Weg gehen kannst.
Die volle Katastrophe leben
Es gibt im Leben Phasen, in denen nichts mehr so funktioniert wie gewohnt. Momente, in denen wir das Gefühl haben, den Boden unter den Füßen zu verlieren, und in denen die gewohnten Bewältigungsstrategien nicht mehr tragen. Die buddhistische Psychologie spricht hier von der grundlegenden Unvollkommenheit des Lebens. Das ist kein Defizit und schon gar kein persönliches Versagen, sondern als eine Wahrheit, die wir immer wieder neu anerkennen müssen. Kein Mensch bleibt davon verschont, und niemand geht unberührt durch diese Erfahrungen.
Die natürliche Reaktion auf solche Erschütterungen ist oft der Versuch, Kontrolle herzustellen: Situationen analysieren, Gefühle ordnen, Lösungen finden, schneller werden, stärker werden, „funktionieren“. Doch je mehr du dich anstrengst, desto weiter entfernst du dich häufig von dir selbst. Das Leben mag sich kurzfristig sortiert anfühlen, aber innerlich entsteht eine Leere, weil du nicht mehr im Kontakt mit deinem tatsächlichen Erleben bist.
Die Praxis von Radical Belonging lädt zu einer anderen Bewegung ein. Sie fordert nicht, dass du Schwierigkeiten liebst oder positiv umdeutest. Sie lädt dich vielmehr dazu ein, im Kontakt mit dem zu bleiben, was ja ohnehin da ist. Auch wenn es schmerzt, auch wenn es verwirrt, auch wenn es anstrengend ist. Die volle Katastrophe zu bewohnen bedeutet nicht, sich ihr ohne Schutz auszusetzen. Es bedeutet, sich in ihr nicht zu verlieren.
Viele Menschen entdecken genau in diesen Momenten, dass der Impuls, sich innerlich abzuwenden, oft größer ist als die äußere Belastung selbst. Das Weggehen von der eigenen Erfahrung erzeugt eine zusätzliche Schicht von Schmerz: das Gefühl, mit dir selbst allein zu bleiben. Wenn du lernst, dich dem Erleben zuzuwenden, entsteht ein Raum zwischen dir und dem, was dich überflutet. Dieser Raum ermöglicht dir, mit dieser Erfahrung sein zu können.
Diese Form der Präsenz braucht Mut. Mut, dich dem zuzuwenden, was du lange verdrängt hast. Mut, deine eigene Verletzlichkeit nicht als Schwäche zu betrachten, sondern als Hinweis darauf, wo du dir selbst näherkommen kannst und berührbar bleibst. Und Mut, nicht vorschnell zu reparieren, was zunächst gesehen werden möchte.
In der Praxis bedeutet das, dich wieder in deinem Körper zu verankern. Genau diesen inneren Ort beschreibt die Meditationslehrerin Tara Brach, wenn sie sagt:
Jenseits unserer turbulenten Gedanken und Emotionen ist eine tiefe, von grenzenloser Liebe erfüllte Stille. An diesem Ort des Gewahrseins, der immensen Weisheit und Güte erwartet uns aller Reichtum und alles Glück, wonach wir so lange gesucht haben.
Tara Brach
Diese Worte zeigen, dass es neben dem unmittelbaren Chaos eine Ebene gibt, die unverletzt bleibt – eine innere Quelle von Klarheit und Güte, die nicht erst geschaffen werden muss, sondern bereits vorhanden ist. Sie wird spürbar, wenn du innehältst und in Kontakt mit dir gehst.
Von dort aus kannst du den Blick nach innen richten, auch wenn der Impuls nach außen drängt. Du lernst, das innere Chaos nicht als Zeichen deiner Unzulänglichkeit zu interpretieren, sondern als Ausdruck eines Nervensystems, das versucht, dich zu schützen. Die volle Katastrophe bewohnen heißt, Schritt für Schritt in Kontakt zu kommen mit dem, was weh tut, aber auch mit dem, was dich trägt.
Im Laufe der Zeit verändert sich durch diese Haltung die Beziehung zu den eigenen inneren Bewegungen. Gefühle verlieren ihre Bedrohlichkeit, Gedanken ihre absolute Deutungshoheit. Du erkennst, dass Schmerz ein Teil deines Erlebens sein kann, ohne dass er dein Leben definiert. Und du lernst, dass es inmitten von Verwirrung immer etwas gibt, das stabil bleibt: Die Fähigkeit, präsent zu sein, selbst wenn das Leben sich brüchig anfühlt.
So wird die „volle Katastrophe“ nicht zu etwas, das wir besiegen müssen, sondern zu einem Raum, der uns lehrt, mit unserer eigenen Menschlichkeit in Kontakt zu sein.
Was Radical Belonging in Beziehungen möglich macht
Wenn Menschen beginnen, sich selbst wieder als zugehörig zu erleben, verändert sich nicht nur ihr inneres Erleben, sondern auch die Qualität ihrer Beziehungen. Radical Belonging ist kein rein persönlicher Prozess; es wirkt immer auch nach außen. Das Gefühl innerer Zugehörigkeit schafft die Grundlage für Begegnungen, die nicht mehr von Selbstschutz oder Anpassung geprägt sind, sondern von Klarheit und echter Verbundenheit. Viele Konflikte verlieren ihre Härte, wenn du dich nicht länger gegen dein eigenes Erleben wenden musst. Grenzen werden natürlicher, weil sie aus Selbstrespekt entstehen. Nähe wird leichter, weil sie nicht mehr mit dem Risiko verwechselt wird, sich selbst aufzugeben. Beziehungen werden dadurch nicht konfliktfrei. Aber sie werden tragfähiger, weil sie auf einer Haltung beruhen, die Präsenz und Verbundenheit mit dir selbst und mit dem anderen zulässt.
Diese Veränderungen zeigen sich oft unspektakulär. In einem anderen Tonfall, einem Moment des Innehaltens, in der Bereitschaft, zuzuhören, auch wenn du dich verletzt fühlst. In der Fähigkeit, deine eigene Wahrheit zu benennen, ohne dein Gegenüber aus dem Blick zu verlieren.
Radical Belonging führt nicht heraus aus der Welt, sondern hinein ins Leben.
Es ist ein Weg, auf dem du lernst, dich selbst zu halten, statt dich zu verlieren. Ein Weg, auf dem Mitgefühl zur Handlung und Freundlichkeit zur Praxis wird. Diese Haltung wirkt über die innere Arbeit hinaus. Sie prägt, wie du Beziehungen gestaltest, wie du Verantwortung übernimmst und wie du dich in der Welt bewegst. Wenn du dich selbst nicht mehr verlässt, entstehen Räume, in denen Vertrauen entstehen kann. Räume, in denen Menschen nicht bewertet, sondern gesehen werden. Räume, in denen Verletzlichkeit nicht als Schwäche gilt, sondern als Zugang zu dem, was uns miteinander verbindet.
So wird Zugehörigkeit zu einer Kraft, die weit über das persönliche Erleben hinausreicht. Sie beeinflusst, wie du lebst, wie du Entscheidungen triffst, wie du sprichst, zuhörst und handelst. Ein Mensch, der in sich Halt findet, wird zu einem Ort der Stabilität, sowohl für sich als auch für andere. Radical Belonging ist deshalb mehr als eine Methode. Es ist eine Form, dich selbst und die Welt zu berühren, ohne dich zu verlieren. Eine Haltung, die Beziehungen trägt und in ihnen neuen Raum für Klarheit, für Mitgefühl, für Lebendigkeit schafft. Und es ist eine beständige Einladung, immer wieder dorthin zurückzukehren, wo Zugehörigkeit beginnt: zu dir selbst.
Wenn du spürst, dass dieser Weg für dich stimmig sein könnte, begleite ich dich gern ein Stück – mit der Haltung von Radical Belonging®, mit einem gütigen Blick und einem Raum, in dem du dich selbst wieder erreichen kannst. In meiner Praxis findest du die Unterstützung, die du brauchst, um diesen Prozess in deinem eigenen Tempo zu gehen und die Form von Zugehörigkeit zu entwickeln, die dich trägt – in deinem Leben, in deinen Beziehungen und in dir selbst.
Einladung
Ich habe lange geglaubt, Heilung bedeute, wieder zu funktionieren. Heute weiß ich: Sie beginnt in dem Moment, in dem wir aufhören, uns zu reparieren und anfangen, uns zu begegnen.
Radical Belonging ist mein Weg, Menschen daran zu erinnern, dass sie bereits Teil des Lebens sind. Es ist ein achtsamkeitsbasierter, mitfühlender, körper- und bindungsorientierter Prozess, der lehrt, mitten im Sturm Wurzeln zu schlagen und in der vollen Katastrophe nicht unterzugehen, sondern aufzublühen.
Wenn du spürst, dass dieser Weg für dich stimmig sein könnte, begleite ich dich gern ein Stück – mit der Haltung von Radical Belonging, mit einem gütigen Blick und einem Raum, in dem du dich selbst wieder erreichen kannst. In meiner Praxis findest du die Unterstützung, die du brauchst, um diesen Prozess in deinem eigenen Tempo zu gehen und die Form von Zugehörigkeit zu entwickeln, die dich in deinem Leben, in deinen Beziehungen und in dir selbst trägt.
Pia Hübinger ist Pädagogin, Coach und Trainerin für Achtsamkeit, Mitgefühl und achtsamkeitsbasierte Kommunikation. In ihrer Arbeit verbindet sie westliche und buddhistische Psychologie, Körperweisheit und Nervensystemarbeit zu einem heilsamen Prozess des Wieder-Ganz-Werdens. Sie ist davon überzeugt, dass Heilung und Veränderung dort beginnen, wo wir aufhören, uns selbst zu bekämpfen und lernen, uns mit liebevoller Präsenz zu begegnen.
Ihr Ansatz Radical Belonging verbindet psychologische Klarheit mit der Bereitschaft, auch schwierigen Erfahrungen nicht auszuweichen. Sie erteilt keine Diagnosen und keine Ratschläge, sondern schafft einen Rahmen, in dem Menschen ihrem eigenen Erleben begegnen können. Unzensiert, unverstellt, ungefällig. Denn nur wenn Veränderung an die eigene Erfahrung angebunden ist, hat sie Bestand.
Mehr über die Autorin erfährst du hier.
Ich bin Diplompädagogin, psychologische Beraterin und Karuna-Trainerin im Rhein-Sieg-Kreis.
Ich unterstütze dich, lebendige, freundliche Beziehungen mit dir selbst und Anderen aufzubauen und auch in schwierigen Situationen dem Leben mit Wertschätzung und Zuversicht zu begegnen.
Da Beziehungen überall dort eine Rolle spielen, wo sich Menschen begegnen, arbeite ich sowohl mit Einzelpersonen, Paaren und Familien als auch mit Kindergärten, Schulen und Unternehmen.
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